Mannheim

Freizeit Mannheims ältester Fußballverein wird Stützpunkt für das Programm „Integration durch Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes

VfR will mit Futsal die Bolzplätze wiederbeleben

Archivartikel

Früher wurde überall in der Stadt gekickt: in Hinterhöfen, auf der Straße und vor allem auf Bolzplätzen. Letzteres möchte der VfR Mannheim wiederbeleben: Mit Trainern und regelmäßigen Übungstagen sowie dem vor allem in Südamerika beliebten Ballsport Futsal: Gespielt wird ohne Körperkontakt, mit Teams von drei bis fünf Spielern und einem im Vergleich zum Fußball kleineren und schwereren Ball, wodurch das Spiel auch leiser wird – Anwohner der Bolzplätze wird es freuen. „Mit Futsal entwickelt man die Technik besser“, erklärt Klaus Daniel vom Verein. Der Übergang zum Fußball sei problemlos. Auf vier Bolzplätzen soll damit gestartet werden, ähnliches gebe es bereits in Karlsruhe und Berlin.

Anlass für die Wiederbelebung der Bolzplätze ist, dass der VfR Stützpunkt für das Programm „Integration durch Sport“ (IdS) des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wurde. Ziel ist Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder sozialer Benachteiligung. Geplant ist, so wurde bei der offiziellen Eröffnung deutlich, noch viel mehr als Futsal auf Bolzplätzen: Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung inklusive Mittagessen, Kindergarten-Ballschule sowie Sport-AGs an Schulen in sozialen Brennpunkten.

„Integration wird gelebt“

Präsident Boris Scheuermann betonte: „Das Thema Integration gewinnt an Bedeutung, dem möchte sich der ganze Verein stellen.“ Fußball habe eine integrative Wirkung, als Beispiel nennt er seinen Sohn, der mit Nachwuchskickern aus acht anderen Nationalitäten zusammenspielt, was „für die Kinder kein Thema ist“. Der Verein sei einer der ersten gewesen, der die „Mannheimer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt“ unterzeichnet habe. Diese engagieren sich gegen Diskriminierung und für ein respektvolles Zusammenleben in Vielfalt.

Seit 2019 ist Janine Marielle Ruch-Silberhorn Integrationsbeauftragte des Vereins. Die Kommunikationstrainerin erklärt: „Integration ist beim VfR nicht Aushängeschild, sondern wird gelebt.“ Klaus Daniel ist federführend beim IdS-Projekt. Man habe bereits jetzt beim Engagement in Brennpunktschulen „oft mit Kindern zu tun, die nicht mehr auf unsere Sprache reagieren“. Gestik, Mimik und Farben würden nach einem wissenschaftlichen Konzept bei der Arbeit genutzt. Die Schulen würden verstärkt das Angebot des Vereins nachfragen, das Team dafür soll vergrößert werden.

Für Christian Kühnle (Vorsitzender Jugendförderverein Soccer Kids) ist die Eröffnung des IdS-Stützpunktes ein „Höhepunkt in der Entwicklung des Vereins“. Dafür sei viel Verwaltungsaufwand und Organisation nötig gewesen. Er betont: „Wir wollen nicht nur Kinder unterstützen, sondern uns auch gesellschaftspolitisch in der Stadt engagieren.“ Der Verein sei offen für weitere Projekte

Susanne Borth vom Badischen Sportbund Nord lobte das Engagement des Vereins zur Integration: „Ihr macht eine tolle Arbeit. Wir sind von euren Ideen und Projekten überzeugt“. Unterstützt werden die ehrenamtlichen Integrationshelfer des VfR von der Vereinsabteilung Freiwilligendienste. Im Rahmen eines „Freiwilligen Sozialen Jahres“ oder „Bundesfreiwilligendienst“ engagieren sich dort junge Menschen. Klaus Daniel erklärt, dass gerade ein Flüchtling die Trainerlizenz erwerbe und dann im Rahmen des Freiwilligendienstes im Verein arbeiten wird. Der älteste Fußballverein der Stadt – gegründet 1896 – engagiert sich bereits: Es gibt regelmäßig Fußball-Feriencamps für Kinder und Jugendliche und im Jungbusch Fußballtraining speziell für Mädchen.

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