Mannheim

Austausch Zwei Schülerinnen über ihre Erlebnisse in Haifa

Viel Lebensfreude – trotz Anspannung

Das wohl emotionalste Erlebnis bei ihrem Besuch in Israel hatte die Mannheimer Schülerin Theresa Weigel am jüdischen Feiertag Schabbat. Die Großmutter der israelischen Schülerin, bei der sie wohnte, war zum Abendessen gekommen. Die alte, aus Deutschland stammende Frau, konnte die Sprache der Gastschülerin. Sie erzählte ihr von den Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg, vom neuen Leben in Bulgarien – und sagte am Ende schließlich zu der jungen Deutschen. „Es ist richtig, dass Du da bist.“

Theresa Weigel ist jetzt noch gerührt, wenn sie davon erzählt. Im Februar war die Zwölftklässlerin des Lessing-Gymnasiums mit 15 Mitschülern zehn Tage zu Gast in Haifa. Bereits im Dezember hatten die Israelis Mannheim besucht. Seit vielen Jahren hat das „Lessing“ einen Austausch mit dem Leo Baeck Education Center in Mannheims Partnerstadt. Die 13 bis 16 Plätze seien immer voll, sagt der stellvertretende Schulleiter Andreas Breunig. Die Schule finanziere den Austausch vor allem über Zuschüsse – etwa von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ und der Stadt.

Sie habe schon immer mal nach Israel reisen wollen, erzählt Theresa Weigel. Auch weil dort der Ursprung des christlichen Glaubens sei. Zwölftklässlerin Anna Saile wollte das Land ebenfalls kennenlernen, ihr Vater sei früher ein paar Mal dort gewesen und habe ihr davon erzählt. Weigel und Saile hatten in der elften Klasse einen Seminarkurs – ein Jahr lang zwei Stunden pro Woche – über Israel gemacht, über seine Geschichte, den Konflikt mit den Palästinensern und den Holocaust. „Ich wollte einfach sehen, wie das in der Praxis ist, womit ich mich in der Theorie beschäftigt habe“, erklärt Anna Saile.

Sicherheitskräfte am Eingang

Und was haben sie bei dem Besuch gelernt? Auch in Israel interessierten sich nicht alle Menschen für Geschichte und Politik, sagt Saile. „Es gibt solche und solche.“ Der Konflikt mit den Palästinensern sei aber schon sehr präsent. An der Schule zum Beispiel hätten Sicherheitskräfte den Eingang kontrolliert. „Aber trotzdem haben die Israelis sehr viel Lebensfreunde.“ Weigel hat erlebt, dass die Kultur dort stark geprägt ist von „Gemeinschaft, Geselligkeit und Gastfreundschaft“. „Die Israelis fühlen sich schon bedroht“, sagt sie. „Sie fühlen sich gleichzeitig aber auch sicher, weil sie großes Vertrauen in ihre Armee haben.“ imo

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