Mannheim

Marchivum Freundeskreis zieht bei Mitgliederversammlung Bilanz der Spendenaktion / Nun werden private Aufnahmen gesucht

Viele Filmschätze erfolgreich gerettet

„Wir haben es geschafft!“ Mit dieser Aussage trat Ulrich Nieß, Direktor des Marchivum, vor die Mitglieder des Freundeskreises des Marchivum. Sie haben seit Herbst vergangenen Jahres knapp 70 000 Euro gesammelt, und zusammen mit eigenen Mitteln konnte damit die Digitalisierung des gesamten Filmbestands des Mannheimer Archivs finanziert werden. Abgeschlossen ist die Aktion „Filmschätze retten!“ damit aber noch lange nicht.

Nieß und Helen Heberer, die Vorsitzende des Freundeskreises, dankten bei der Mitgliederversammlung vor allem dem „Mannheimer Morgen“ und dem Rhein-Neckar-Fernsehen (RNF), dass sie die Aktion durch die Veröffentlichung historischer Filme und ihrer Geschichte maßgeblich unterstützt hatten. Das habe das Spendenaufkommen „sehr beflügelt“, so Nieß.

Die Digitalisierung selbst laufe noch und sei „ein sehr aufwendiger Prozess“: „Um Szene für Szene zu erhalten, dauert das – für 30 bis 40 Minuten Film manchmal zehn Stunden“, berichtete der Direktor von den Arbeiten einer Ludwigsburger Spezialfirma. Alte Filme würden auch nicht weggeworfen: „Wir vernichten nichts, denn man weiß ja nicht, welche technischen Möglichkeiten künftige Jahrzehnte bieten“, so Nieß.

„Alltagsszenen haben Relevanz“

Nach Angaben von Heberer sind unter den zahlreichen Spendern 80 Personen, die über 250 Euro gezahlt haben und deren Namen daher im Abspann des Films genannt werden, „darunter viele aus dem Freundeskreis“, sagte Heberer dankbar. Zu den größten Spendern zählten die Mannheimer Dienstleistungsgruppe Lieblang.com, das Ehepaar Susanna Martinez und Hans-Peter Schwöbel sowie die Mannheimer IG Metall.

Nun sei die Spendenaktion „in eine neue Phase eingetreten“, erklärte Heberer: Das Marchivum möchte erreichen, möglichst viele private Filmschätze von den Mannheimern zu erhalten. Auch diese Aktion wird vom „MM“ weiter unterstützt, der regelmäßig – jeweils am ersten Donnerstag im Monat – einen solchen Streifen vorstellt. Alle angebotenen Filme sollen digitalisiert werden, sofern sie archivwürdig sind. Der Stifter erhält als Dankeschön im Gegenzug eine kostenfreie, digitale Kopie seines Films.

Nach den Worten von Heberer wollen auch die IG Metall Mannheim und einige alteingesessene Mannheimer Unternehmen ihr historisches Filmgut dem Marchivum zukommen lassen. „Es ist wichtig, dass ins Bewusstsein kommt: Wir sind die richtige Stelle für alte Filme“, hofft Nieß. Auch „Alltagsszenen haben stadtgeschichtliche Relevanz, also schauen sie auf Speichern und Kellern, ob es da nicht noch alte Rollen gibt“, so der Direktor.