Mannheim

Marchivum Aufkleber, Spardosen, Vasen – was Mannheimer für eine Ausstellung zur Bundesgartenschau 1975 gesammelt haben

Viele nostalgische Erinnerungen

Archivartikel

„Mehr als erstaunt, was es alles gab“ ist Andreas Schenk. Der Historiker vom Marchivum und seine Kollegen bereiten derzeit eine Ausstellung zur Bundesgartenschau 1975 in Mannheim vor. Ihr Aufruf an die Mannheimer, dafür Exponate zur Verfügung zu stellen, stieß laut Schenk „auf enorm große Resonanz“.

Spardosen mit dem Emblem der Bundesgartenschau oder in Form des von Loriot gezeichneten „Jäger aus Kurpfalz“, Feuerzeuge, Vasen, Gläser, Postkarten, Streichholzbriefchen und Aufkleber in allen Formen und Größen wurden abgegeben. Heute sind solche Dinge selbstverständlich, damals aber noch nicht. „Das war wohl das erste große Event, für das man so aufwendig überregional Werbung gemacht und so konsequent und vielfältig Merchandisingartikel produziert hat – und das immerhin schon in den 1970er Jahren“, betont Schenk.

Er freut sich, dass die Mannheimer davon viel aufgehoben haben – und er es jetzt ausstellen kann. Dazu kamen viele Broschüren, Programmhefte, Fotoalben und Filme. „Wir haben viele schöne Sachen bekommen, so dass wir die Zeit richtig gut darstellen können“, so Schenk.

Die vom 24. März bis 18. August geplante Sonderschau ist die erste Ausstellung im Ochsenpferchbunker, die vom Marchivum-Team selbst gestaltet wird. 500 Quadratmeter sind zu bespielen. „Wir werden gar nicht für alles Platz haben“, fürchtet Schenk. Doch an den vielen Reaktionen der Mannheimer hat er gemerkt: „Die Bundesgartenschau 1975 ist ein Ereignis, an das ganz viele Menschen sehr viele positive Erinnerungen haben“, so der Historiker.

Aktuelle Bezüge

Genau das möchte das Marchivum-Team zeigen – aber nicht nur. Es gehe darum, den „Push“ zu verdeutlichen: „Von der Gartenschau ging eine enorme Aufbruchstimmung aus, die lange angehalten und Mannheim auch über die beiden Parks hinaus nachhaltig geprägt hat“, verweist Schenk auf viele durch das Jahr 1975 initiierte Entwicklungen – vom ersten großen Rosengartenausbau bis zur Umwandlung der Planken in eine Fußgängerzone.

Die Ausstellung will daher nicht allein nostalgische Erinnerungen wecken, sondern einen Zusammenhang zwischen der Bundesgartenschau und der gesamten Stadtentwicklung herstellen. Zugleich wolle man den Bogen schlagen zu den Planungen für eine erneute Bundesgartenschau in 2023 und zur aktuellen Freiraumplanung. Ebenso präsentiert werden die Entwürfe des Architektenwettbewerbs, wie die Multihalle erhalten, saniert und künftig sinnvoll genutzt werden könnte.

Geplant ist zudem ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Diskussionsveranstaltungen und Erinnerungen von Zeitzeugen, etwa dem Sandhofener Gärtnermeister Günter Beier oder Irmgard Reibold, die Witwe vom „Jäger aus Kurpfalz“, der bis zu seinem Tod 2013 unermüdlicher Botschafter der Bundesgartenschau und danach der Stadtparks war.