Mannheim

Marchivum Die Ausstellung „Youniworth“ beschäftigt sich mit dem Thema Zuwanderung

„Vielfalt ist oft nicht einfach“

Ein Test über die eigenen Vorurteile, junge Menschen aus fremden Ländern im Videointerview, eine Hörstation mit exotischer Musik und Informationen über die Gründe für Migrationsbewegungen – am Montagabend wurde die vielfältige Wanderausstellung „Youniworth“ im Marchivum eröffnet. Gedacht ist sie vor allem für Schulklassen, Integrationskurse und Jugendgruppen, die sich dort mit der Frage nach dem Zusammenleben in Deutschland beschäftigen können. „Youniworth“ ist eine Ausstellung des bundesweiten Jugendmigrationsdienstes und kam in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Bund Mannheim ins Marchivum.

Claus Preißler, Beauftragter für Integration und Migration der Stadt Mannheim, betonte, dass Zuwanderung allein für die Erwerbsstatistik notwendig sei. Deutschland sei im Ausland vor allem aufgrund der Bildungsmöglichkeiten ein attraktives Ziel. Für eine Ausbildung oder ein Studium hätten sich vergangenes Jahr 140 000 Menschen aus dem Ausland entschieden – die größten Gruppen waren Inder und Chinesen. Preißler führte aus, dass 2020 ein Fachkräfte-Einwanderungsgesetz in Kraft tritt. Dann werden nicht nur in Mangelberufen, wo dringend Fachkräfte gesucht werden, sondern auch in anderen Bereichen die Arbeitsmöglichkeiten für Einwanderer verändert.

Preißler sprach auch über eine Schattenseite der Arbeitsmigration. Verlassen viele gut ausgebildete Menschen ein Land, führt dies dort zu Problemen. Rumänien ist ein Beispiel. Ein Drittel der Fachkräfte im Gesundheitssektor hätten das osteuropäische Land verlassen, nun gebe es dort einen Mangel. Preißler fügte an: „Zyniker sagen, jetzt kommen die Patienten hinterher.“

Auch für die Parteien spielt der richtige Umgang mit der Migration eine wichtige Rolle. Das sehe man, so der Integrationsbeauftragte, beim Brexit oder auch beim Erfolg rechter Parteien in Frankreich. „Die freiheitlich-liberale Staatsform wird von vielen Bürgern angezweifelt“, sagte Preißler, der bedauert, dass die Wahlbeteiligung der Migranten bei der jüngsten Kommunalwahl so gering ausgefallen ist. Nur acht von 100 Wahlberechtigten aus dieser Bevölkerungsgruppe hätten ihre Stimme abgegeben. Am Ende seines Vortrags zog Preißler das Fazit: „Die Integration ist in Deutschland trotz allem auf dem Erfolgsweg!“

Raum des Austausches

Stadtrat Thorsten Riehle erklärte: „Wir sollten selbstbewusst unsere vielfältige Gesellschaft feiern.“ Andererseits betonte er, dass es auch Probleme mit Zugewanderten gebe. Die Ausstellung unterstütze das Bemühen der Stadt um Integration. Riehle erklärte: „Die gemeinsame Gestaltung der Zukunft basiert auf einer gemeinsamen Erinnerungskultur.“

Für Andreas Mix, Abteilungsleiter im Marchivum, wird eine Stadt von ihrer gesellschaftlichen Vielfalt getragen: „Vielfalt sei jedoch nicht einfach, oft verwirrend und anstrengend.“ Das Marchivum soll auch ein Raum des Zusammenkommens und des Austausches für die Stadtgesellschaft sein.

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