Mannheim

Wanderausstellung Zweisprachiges Projekt deutscher und französischer Schüler neu aufbereitet / Eröffnung mit Minister Wolf in Esslingen

Vier Kinder aus Mannheim, vergast in Auschwitz

Der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf (CDU) hat am Amtsgericht Esslingen die Wanderausstellung „Mannheim-Izieu-Auschwitz“ eröffnet. Sie ist bis April 2021 in Gerichten und in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union in Brüssel zu sehen. Die Ausstellung zeichnet den Weg von vier jüdischen Kindern aus Mannheim nach, die im Herbst 1940 deportiert und im April 1944 in Auschwitz ermordet wurden.

„Das Beispiel dieser vier Kinder zeigt uns die Menschen mit all ihren Ängsten und Nöten, mit all ihrer Lebenslust und ihren Hoffnungen. Dieser schmerzhafteste Teil unserer Geschichte ist nur schwer zu ertragen. Trotzdem wenden wir mit der heute eröffneten Ausstellung den Blick eben dorthin – auch wenn es Kraft kostet“, sagte Wolf. Dafür sei er sehr dankbar.

Die Ausstellung porträtiere die Kinder und ihre Familien zunächst in ihrem Alltag in Mannheim vor 1933 und während des Nationalsozialismus. Anschließend stelle sie die darauffolgenden Jahre dar, beginnend mit der Ausweisung und Deportation in das französische Internierungslager Gurs im Oktober 1940. Von dort wurden die Kinder in das Internierungslager nach Rivesaltes umgesiedelt, aus dem sie im März 1942 gerettet wurden und dann in ein Kinderheim bei Izieu gelangten.

Erinnerung an die Opfer

Die unbeschwerte Zeit dort war nicht von langer Dauer. Am 6. April 1944 wurden alle Kinder des Heims festgenommen und über das Durchgangslager Drancy bei Paris nach Auschwitz deportiert, wo sie noch am Tag der Ankunft vergast wurden. „Mit der Wanderausstellung wollen wir uns an alle Opfer von Krieg und Verfolgung erinnern. 75 Jahre nach Ende des Krieges können wir mit Freude und Stolz auf ein friedliches und freiheitliches Europa blicken“, sagte Wolf weiter.

Die zweisprachige Ausstellung ist in einer Zusammenarbeit zwischen der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried, des Elisabeth-Gymnasiums und des Ludwig-Frank-Gymnasiums auf deutscher Seite sowie des Lycée Saint Marc in Lyon auf französischer Seite entstanden. In Projektgruppen wurde die Ausstellung ab Herbst 2001 entwickelt und 2003 eröffnet. Das Projekt wurde von der französischen Gedenkstätte Maison d‘Izieu angeregt und vom Mannheimer Stadtarchiv unterstützt. Das Ministerium der Justiz und für Europa hat die Ausstellung jetzt aufbereiten lassen.

Vom 16. November bis 18. Dezember ist die Ausstellung am Landgericht Heidelberg zu sehen. Auf Nachfrage, warum sie nicht in Mannheim gezeigt wird, sagte Wolfs Ministerium, dass Gerichte ausgewählt wurden, die geeignete Räumlichkeiten für eine Ausstellung (insbesondere unter ausstellungskonzeptionellen Aspekten) bieten können. Ab April soll sie auch an weitere Gerichte, die Interesse haben, ausgeliehen werden. 

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