Mannheim

Bildung An der Käfertalschule ist ein Elfjähriger positiv auf das Coronavirus getestet worden / Lehrer, Hort-Mitarbeiter und Schüler in häuslicher Isolation

Viertklässler vorsorglich in Quarantäne

Archivartikel

Krisensitzung im Lehrerzimmer und Anrufe von besorgten Eltern im Sekretariat: In der Mannheimer Käfertalschule herrscht am Donnerstagmorgen Verunsicherung. Wie das Schulamt bestätigt, ist ein Viertklässler nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Alle vierten Klassen, mehr als 100 Kinder, sind deshalb vorsorglich bis zum 20. März vom Unterricht befreit und müssen für zwei Wochen in Quarantäne, angeordnet vom Mannheimer Gesundheitsamt. Für alle anderen Klassen läuft, laut Mannheimer Schulamt, der Schulbetrieb mit verkürzten Unterrichtszeiten weiter.

Aktuell gibt es aus Sicht des Gesundheitsamtes keinen Anlass, die gesamte Schule zu schließen. „Es besteht dort derzeit keine individuelle Gesundheitsgefahr“, erklärt der Leiter des Gesundheitsamt, Peter Schäfer. „Wir haben überprüft, mit wem das betroffene Kind Kontakte hatte – in welche Klasse es geht, ob es klassenübergreifenden Unterricht gab. Das war hier der Fall“, so Schäfer weiter.

In der Grundschule selbst sind an diesem Mittag nur noch wenige Kinder in den Klassenzimmern zu sehen – die Schule hatte nach dem positiven Testergebnis die betroffenen Eltern angerufen, manche sollen nach eigenen Angaben sich aber selbst per Telefonkette informiert haben.

Eltern extrem verunsichert

Wie die Stadt am Mittag mitteilte, hatte das infizierte Grundschulkind in der vergangenen Woche – noch bevor Südtirol als Risikogebiet eingestuft wurde – die Schule sowie den Hort besucht. Nach der Einstufung zum Risikogebiet war das Kind dann wie angeordnet zuhause geblieben und vorsorglich getestet worden. Weil dabei das Coronavirus nachgewiesen wurde, hat das Gesundheitsamt nun auch für die Klassenlehrer sowie Kinder und Mitarbeiter des Horts, die an den entsprechenden Tagen die Schule beziehungsweise den Hort besucht hatten, eine zweiwöchige Quarantäne ab dem letzten Kontakttag angeordnet. Der Grund: Man will damit mehr Zeit gewinnen, um alle Betroffenen zu testen, so das Schulamt. „Das ist ein ganz normaler Prozess, und alles läuft sehr unaufgeregt ab“, erklärt eine Schulamtssprecherin. Nun werden auch die Kreise der Kontaktpersonen überprüft sowie der angrenzende Hort der Grundschule. Für alle anderen Kinder und Beschäftigten, die keinen engen Kontakt zu dem Elfjährigen hatten, gelte kein erhöhtes Infektionsrisiko, heißt es von der Stadt. Sie können die Schule und den Hort weiterhin besuchen. Und die Eltern? Was sagen sie zu den Maßnahmen? „Wir stehen im engen und guten Kontakt zur Schulleitung. Wir wollen Ruhe bewahren, niemandem hilft es, jetzt in Panik zu verfallen“, sagt Elternbeirat Marcus Brüchle. Er findet aber, dass es besser gewesen wäre, die Schule für zwei Wochen komplett zu schließen.

Dieser Meinung sind auch andere Väter und Mütter, die verunsichert sind: „Das System dahinter leuchtet mir nicht ein. Ich finde es schwierig, jetzt arbeiten zu gehen, alles wird unterschiedlich bewertet“, sagt Chris Rihm. Weil seine Tochter eine Mitschülerin des infizierten Elfjährigen ist, hat sich der CDU-Stadtrat dazu entschlossen, freiwillig kürzer zu treten. „Ich bin oft unterwegs, habe Kontakt mit vielen Leuten. Bis meine Tochter das Testergebnis hat, bleibe ich lieber zuhause – und mein Sohn auch. Obwohl wir das laut Gesundheitsamt nicht müssten“, erklärt Rihm am Telefon. Ähnlich wie ihm geht es einem anderen Familienvater, der namentlich nicht in den Medien genannt werden will: Er meldet sich am späten Nachmittag in der Redaktion. Beide Kinder gingen auf die Käfertalschule, berichtet er. Der Sohn in die zweite, die Tochter in die vierte Klasse. Der erkrankte Junge sei ihr Klassenkamerad. „Die Klassenlehrerin meiner Tochter ist in Quarantäne und hat meinen Sohn davor in Sport unterrichtet. Aber er darf wiederum weiter zu Schule gehen. Das verstehe ich nicht“, sagt der Vater empört. Der Diabetiker ist schwer herzkrank und würde sich gerne testen lassen. Ohne Symptome aber sei ihm das laut Experte der Corona-Hotline nicht gestattet.

Von der Stadt heißt es: Alle Eltern seien informiert. Bis die Kontaktpersonen ermittelt sind, müssen die Viertklässler der Käfertalschule zu Hause bleiben. Bei den ermittelten Kontaktpersonen des infizierten Kindes sei ein Test aus medizinischer Sicht nicht begründet, solange keine Symptome vorliegen. Personen, die mit den Kontaktpersonen Umgang hatten oder haben, unterliegen keinen Einschränkungen.

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