Mannheim

JVA Mannheim Zahl Infizierter geht zurück / „Momentaufnahme“

Virus hinter Gittern vorerst gestoppt

Archivartikel

Mit Blick auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus macht sich vorsichtiger Optimismus in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim breit. Die Zahl der infizierten Gefangenen habe sich seit vergangener Woche nicht erhöht, teilte der stellvertretende Anstaltsleiter Jürgen Fritzsche am Dienstag auf Anfrage mit. Ihm zufolge gilt mittlerweile einer der insgesamt sechs betroffenen Männer als genesen. Bei dem Untersuchungshäftling sei eine Corona-Infektion nicht mehr nachweisbar.

Aktuell fünf Gefangene infiziert

Die fünf anderen Infizierten seien nach wie vor getrennt von den Mithäftlingen untergebracht. „Sie sind bisher nahezu symptomfrei“, sagte Fritzsche. Auch bei ihnen handelt es sich um Untersuchungshäftlinge. Nachdem Mitte April der erste Infektionsfall bekanntwurde, hatten Anstaltsleitung und Gesundheitsamt zunächst die Untersuchungshäftlinge getestet. Dabei konnten nach und nach auch die anderen fünf Fälle nachgewiesen werden. Mittlerweile seien auch die anderen Gefangenen auf eine Coronainfektion getestet worden, sagte Fritzsche. Aktuell seien etwa 600 Männer in der JVA untergebracht. Neue Infektionen habe man bisher nicht entdeckt. „Uns fehlen nur noch vier Testergebnisse“, sagte Fritzsche. Mit den Ergebnissen rechne man demnächst.

Anders sieht es bei den etwa 300 Mitarbeitern der JVA aus. Zwar seien die meisten Frauen und Männer getestet worden, aber bei 70 bis 80 Mitarbeitern sei dies noch nicht geschehen. Etwa, weil sich ein Teil von ihnen im Urlaub befinde oder aufgrund des Schichtplans in den vergangenen Tagen nicht verfügbar gewesen sei. Zuletzt befand sich laut Fritzsche ein Mitarbeiter in häuslicher Quarantäne, da sein Testergebnis nicht eindeutig gewesen sei. Fest steht, dass in der Justizvollzugsanstalt bereits im April vier Angestellte positiv getestet worden waren. Außerdem war eine größere Zahl Bediensteter in den vergangenen Wochen in Quarantäne geschickt worden. „Nicht nur, wenn die Person Symptome zeigte, sondern schon beim leisesten Verdacht“, sagte damals JVA-Leiter Holger Schmitt. Wie sich nun die Situation im Gefängnis – knapp drei Wochen nach der Meldung des ersten Falls – entwickelt, ist offen. Von einer „Momentaufnahme“, die sich aktuell zeige, sprach der Leiter Jürgen Fritzsche.

Aufgrund von Vorerkrankungen und Drogenmissbrauch ist ein Großteil der Gefangenen einer Risikogruppe zuzurechnen. Auch Tabakkonsum sei unter Gefangenen weit verbreitet, heißt es etwa vom Justizministerium in Stuttgart. Für die medizinische Behandlung in einer JVA ist ein abgestuftes Vorgehen vorgesehen. Verdachtsfälle mit Symptomen werden in der jeweiligen Krankenabteilung isoliert.

Um das Risiko einer Infektion zu verringern, hat das Justizministerium einen Erlass herausgegeben. Demnach wurden beispielsweise landesweit die privaten Besuche der Gefangenen bis auf weiteres ausgesetzt. Lediglich in dringenden Fällen werden noch Verteidiger- und Polizeibesuche gestattet.

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