Mannheim

Geburtstag Kaufmännischer Lehrling, Krankenpfleger, Künstler und Altstadtrat – Peter Baltruschat wird 60 und hat einen spannenden Lebensweg

Vom Rocksänger zum Wegbereiter der Kultur

Er wirkt stets so jugendlich-locker und leger, dass einem das völlig unwahrscheinlich vorkommt – aber tatsächlich: Peter Baltruschat wird 60 Jahre alt. „Ich wundere mich auch jeden Tag“, nimmt er es augenzwinkernd locker. Die Musik hat ihn eben jung gehalten – obwohl er zwei andere Berufe erlernt und gelernt hat, mit Schicksalsschlägen umzugehen.

„Impresario“ wird er oft genannt, während ihm die Bezeichnung „Künstlerischer Leiter“ lieber ist. Mit seinem Kulturnetz-Team macht er das Programm fürs „Schatzkistl“, sorgt für den „Seebühnenzauber“, die Reihe „Wortwechsel“, steuert wichtige Beiträge zu Stadt- und Schlossfest und vieles mehr bei. 250 Veranstaltungen sind das pro Jahr.

Aber Baltruschat ist kein abgehobener „Impresario“. Vielmehr tritt er sympathisch-bescheiden auf, nimmt sich selbst oft zurück. Er ist, was eher eine Ausnahme unter Künstlern darstellt, ein guter Marketingfachmann, aber sieht sich in der dienenden Rolle und als der „Ermöglicher“, der sein Talent, Menschen zu vernetzen, dafür einsetzt, dass sich vielfältiges kulturelles Leben entfaltet. Weshalb er derzeit natürlich darunter leidet, dass nichts stattfinden kann.

Aber Rückschläge ist er gewohnt. Er geht erst aufs Moll-, dann aufs Bach-Gymnasium, aber tritt viel lieber mit Michael Herzer als Sänger bei „DdT Huber“ auf, der Mannheimer Kultband ab Ende der 1970er Jahre. Sie rocken das Forum der Jugend und die Alte Feuerwache zu den Zeiten. Baltruschat will Rockstar werden – und verlässt die Schule.

Doch sein Vater Max Baltruschat, berühmter Sänger aus der „Schauburg“-Zeit des Nationaltheaters, ist streng – und vermittelt ihm eine Lehre im Teppichhaus von Horst Engelhardt, wo er kaufmännische Grundlagen lernt, die ihm bis heute helfen.

„Eine absolut wichtige Zeit“, sagt er dazu – aber auch über das, wozu er sich danach entschließt. Denn er merkt zwar, dass er nicht zum Kaufmann geboren ist, man von der Kunst aber nicht leben kann. Also macht er am Klinikum eine Lehre als Krankenpfleger, arbeitet dort sowie am Zentralinstitut für seelische Gesundheit, zuletzt als Versuchsleiter der klinischen Forschung – und tritt parallel immer mit Bands auf. Einen „Reifungsprozess“ habe er da durchgemacht, sagt Baltruschat heute.

Ausflug in die Politik

Das Jahr 1996 bringt die Wende. Baltruschat gründet mit Freunden das Kulturnetz und entwickelt als erste Eigenproduktion „Jeden Mittwoch Mord“, einen musikalisch-satirischen Abend in einem Gewölbekeller. Es wird ein Riesenerfolg – und der Wunsch nach einer dauerhaften Spielstätte entsteht. Bei einem Abendessen bei Brigitte Mark sitzt Andreas Zeitler am Tisch, damals Direktor vom „Mannheimer Hof“. Er erwähnt seine leerstehende „Holzkistl“-Bar – daraus entsteht das „Schatzkistl“, in dem Baltruschat seit 1998 Perlen der Kleinkunst präsentiert. 2009 bis 2014 macht Baltruschat einen Ausflug in die Politik, wird – als Parteiloser – auf der SPD-Liste in den Gemeinderat gewählt. „Ich bereue das nicht, ich habe viel gelernt, aber Kultur und Politik, das passt nicht zusammen“, blickt er zurück. Lieber will der große „Tosca“-Freund wieder auf der Bühne stehen – die „Popforscher“, die aus „DdT Huber“ entstanden sind, planen neue Auftritte. 

Zum Thema