Mannheim

Von der Börse ins Blatt

Archivartikel

Was kostet eine Unze Gold? Ist die BASF-Aktie gestiegen oder gefallen? Antworten darauf finden Leser auf der Börsenseite im Wirtschaftsteil dieser Zeitung. Ob Dax-Wert, Metallpreise oder Investmentfonds – seit vier Jahren liefert die Vereinigte Wirtschaftsdienste GmbH (vwd) all diese Informationen mittels eines Börsentableaus. Insgesamt bekommen 90 deutsche Verlage mit 524 Zeitungstiteln ihre Daten von dem Frankfurter Dienstleister.

Identisch sind die Börsenseiten trotzdem nicht. „Jede Zeitung hat quasi ein Unikat“, erklärt Winfried M. Schwarz, bei vwd zuständig für Werbung und Anzeigen. Denn das Börsentableau ist nur ein Auszug aus Millionen Finanzmarktprodukten wie Aktien, Fonds oder Zertifikaten, mit denen es die Frankfurter täglich zu tun haben. „Jede Zeitung wählt – je nach Platz oder regionalen Bedürfnissen – aus, welche Daten sie den Lesern zeigen möchte.“ In landwirtschaftlich geprägten Gebieten liegt der Fokus eher auf Rohstoffpreisen, bei anderen Medien ist das Tableau gefüllt mit Aktien und Investmentfonds. „Beim ,Mannheimer Morgen’ sitzen in der Region zum Beispiel relativ viele Dax-Unternehmen, so dass hier ein Schwerpunkt liegt“, sagt Schwarz.

Tag und Nacht laufen bei vwd Zahlen aus aller Welt ein. „In unserer Datenbank sind im Durchschnitt 9,6 Millionen Finanzmarktinstrumente. Wir sammeln Informationen von 250 außerbörslichen Kursquellen wie Deutsche Bank, Commerzbank oder Fondsgesellschaften, die ihre Preise errechnen, aber nicht an der Börse gehandelt werden. Und wir sind weltweit an 80 Börsen direkt angebunden.“ Die Kurse verändern sich zudem schneller als sekündlich. „Pro Tag haben wir zwölf Milliarden Kurs- und Standarte-Updates“, erklärt Schwarz.

Zwischen 17.30 Uhr (Xetra-Computerhandel) und 20.00 Uhr (Parketthandel) kommen alle deutschen Börsen zum Stillstand. „Der Preis, den eine Aktie dann hat, ist der Schlusskurs, der schließlich in der Zeitung steht“, erläutert Schwarz. Da jedoch an US-Börsen bis 22 Uhr gehandelt wird – also nach Redaktionsschluss vieler Medien – wird zu einem gewissen Zeitpunkt ein Verlaufkurs übernommen. „Dieser steht dann mit Uhrzeit im Tableau, um dem Leser zu verdeutlichen, dass der Handel noch nicht beendet war.“

Die Daten müssen jedoch erst aufbereitet werden. „Wir bekommen zum Beispiel einen Aktienkurs von zwölf Euro. Jetzt gibt es aber sowohl eine Dividende als auch eine Veränderung zum Vortag, die Medien ihren Lesern zeigen wollen. Wir führen verschiedene Datenquellen zusammen, machen unterschiedliche Berechnungen und bereiten diese Daten als Tabellen oder Grafiken auf.“ Anschließend schickt vwd das Börsentableau zu den Druckzeiten in die Redaktion. Dort kontrolliert ein Redakteur ein letztes Mal die wichtigsten Angaben. her