Mannheim

Bildung Schüler der Hans-Christian-Andersen-Grundschule entdecken die neue Kunsthalle

Von der Figur zur Form

„Wie der Neubau für die Kunst wohl innen aussieht?“ rätselten die Schüler der Hans-Christian-Andersen-Schule auf dem Weg von Schönau ins Stadtzentrum. Lange haben sich die Viertklässler darauf gefreut, endlich die neue Kunsthalle kennen zu lernen. Jetzt wurde ihr Traum endlich wahr.

Staunend stehen die Knirpse, ihre Lehrerinnen und Rektorin Cordula Rößler im lichtdurchfluteten Atrium. „Alles ist so groß, so modern und hell“, fanden Tim und Milana aus der Klasse 4c von Maike Egenlauf. Die Kinder überlegten, wie oft sie sich übereinander stapeln müssen, um diese Höhe zu erreichen. Ihr Blick fällt auf den „Hausgeist“ der neuen Kunsthalle gegenüber vom Eingang. Die imposante Figurengruppe „Capricorn“ ist eines der Hauptwerke des Surrealisten Max Ernst. „Sie wurde zwar nicht nach der Realität geformt, ist aber noch als Figur erkennbar“, erläuterte Kunstvermittlerin Svenja Hauk. Vieles ist neu und fremd für die Kinder.

Den „Fisch“ kennen alle

Doch eine Plastik kennen sie. „Da ist der goldene Fisch?“ rufen sie und steuern auf das golden leuchtende Werk von Brancusi zu. Diesen Fisch hatten Jungs und Mädchen beim Auftakt des Kooperationsprojektes von Kunsthalle und Hans-Christian-Andersen-Schule vor zwei Jahren nachgeformt. Ihr Werk ist heute Mittelpunkt der ständigen Ausstellung im Atelier der Schönauer Schule.

Wie Dorothee Höfert, die Leiterin der Museumspädagogik der Kunsthalle, berichtet, sei das Besondere an der Kooperation mit der Hans-Christian-Andersen Schule, dass nicht nur eine ausgewählte Gruppe in den Genuss von Kunst kommt, sondern alle Kinder.

Das ist dem Lions Club Mannheim Rhein Neckar zu verdanken. Stephan Seyffer und Werner Stember wollten sich über den Fortschritt ihres Förderprojekts informieren. Getreu dem Motto ihres Clubs „Wir machen Mannheimer Kinder stark“ soll Kindern aus sozial benachteiligten Familien den Zugang zur Kunst ermöglichen. Der Lions Club plant, eine weitere Schule in das Förderprogramm aufzunehmen. Und zwar erstmals eines Gymnasiums, nämlich die Klassenstufe fünf des Geschwister-Scholl Gymnasiums auf der Vogelstang. Rektorin Cordula Rößler ist begeistert von dem Projekt: „Für unsere Kinder, die kaum aus ihrem Stadtteil rauskommen, öffnet sich dadurch eine ganz neue Welt“, freute sich die Schulleiterin.

Überall in der neuen Kunsthalle gibt es füe die Schönauer Kinder erstaunliche Dinge zu sehen. Bettgestelle hängen von der Decke, Uhren schwingen über Brücken. Ihre Augen wandern zwischen dem Blick aus den Fenstern des Museums zum Eifelturm auf dem Bild von Robert Delauny, das Formen und Farben einer Stadt abstrahiert. Dann dürfen die Kinder selbst kreativ werden. Auf dem Boden hinter der großen Fensterfront hockend zeichneten sie „ihren Wasserturm“. Zur Nachhaltigkeit des Förderprojekts erklärte Höfert, dies sei nicht zuletzt auch verbunden mit dem Wunsch, über die Kinder auch die Eltern in die Kunsthalle zu holen. Dies soll künftig verstärkt angegangen werden.-ost-

Auch die Oststadt-Grundschule hat seit einigen Jahren einen Kooperation mit der Kunsthalle. Im jüngsten Projekt unter dem Titel „Schule der Wahrnehmung“ geht es darum, Material, Oberflächen, Kompositionen und Inhalte verschiedener Werke sinnlich zu erleben. Am Dienstag, 10. Juli, 16 Uhr, ist die Abschlusspräsentation in der Kunsthalle.