Mannheim

Radschnellweg Vor der entscheidenden Abstimmung am Dienstag über die neue Trasse durch die Au gehen Befürworter und Gegner noch mal an die Öffentlichkeit

Von Grablichtern und Lastenrädern

Archivartikel

Äußerst knapp war sie vergangene Woche im Hauptausschuss des Gemeinderats ausgegangen – die Vorberatung über den neuen Trassenverlauf für den Radschnellweg durch die Feudenheimer Au. Sieben Stadträte von SPD, Grünen und Linken sowie Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) votierten für die neue Route – und sechs (von CDU, Mannheimer Liste (ML), FDP, AfD sowie Grünen-Vertreterin Gabriele Baier) dagegen. Am Dienstag steht nun im Gemeinderat die endgültige Entscheidung an bei dem emotional aufgeladenen Thema. Sowohl Befürworter wie auch Gegner der neuen Trasse wandten sich am Wochenende noch mal an die Öffentlichkeit.

Die überarbeitete Planung (in der Grafik rot) sieht eine leicht veränderte Wegführung im südlichen Teil der Au vor, die weniger in die bestehenden Kleingartenanlagen eingreift als die ursprünglich vorgesehene Route (blau). Außerdem soll es an der Straße Am Aubuckel statt einer Rampe nun eine Unterführung geben.

Die Gegner des Radwegs sehen auch in der neuen Planung nach wie vor einen nicht zulässigen Eingriff ins Landschaftsschutzgebiet in der Au. Das machten sie bei einer als Mahnwache angekündigten Veranstaltung am Sonntagnachmittag – ausgerichtet von den Bürgerinitiativen „Lebenswertes Feudenheim“, „Gestaltet Spinelli“ und „Konversion statt BUGA“ – erneut deutlich.

Pochen auf Schutzgebiet-Status

„Hände weg von der Au“ stimmten die rund 120 Teilnehmer gemeinsam an. Ein Redner betonte, man habe schon vor 30 Jahren an dieser Stelle protestiert – damals sei es darum gegangen, eine vierspurige Straße durch die Au zu verhindern. Dies sei erfolgreich gelungen. Ein Ergebnis sei gewesen, dass die Au als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen worden sei. Dies sei heute gefährdet, da im Zuge der Bundesgartenschau und dem Bau des Radschnellweges Kleingärten vernichtet würden. Zusätzlich würde Fläche versiegelt. Deshalb hatten die Organisatoren dazu aufgerufen, Grablichter mitzubringen.

Die Feudenheimer Bezirksbeirätin Christiane Säubert (Mannheimer Liste) bezeichnete den Radschnellweg als einen großen Unfug. Stadträtin Birgit Reinemund (FDP) betonte, dass sie für die Umfahrung der Au durch Radfahrer eintrete. Dem stimmte auch Thomas Hornung für die CDU-Gemeinderatsfraktion zu: „Wir haben uns klar gegen den Radschnellweg durch die Au positioniert. Wenn durch eine Bundesgartenschau Gärten vernichtet werden, dann wird schon allein der Begriff Buga ad absurdum geführt.“ In ihren Reden wiesen die Gegner darauf hin, dass ein gut ausgebauter und beleuchteter Radweg außen um die Au führe, der von Käfertal, Wallstadt und der Vogelstang gut erreichbar sei. Ein Ausbau sei für circa zwei Millionen Euro möglich – nur ein Bruchteil der vorgesehenen sieben oder acht Millionen der Buga-Planer.

Befürworter der neuen Trasse um den Ideengeber René Leicht, Grünen-Politiker aus dem Feudenheimer Bezirksbeirat, hatten bereits am Freitag zu einem Pressegespräch eingeladen. Die alte, 2019 beschlossene Trasse führte teils mitten durch die Au und sollte am Aubuckel in einer Rampe enden. 26 Kleingärten hätten weichen müssen. Bei der neuen Variante verläuft die Trasse weiter westlich. Von den Kleingärten müssten nur 13 wegfallen.

Teil der Verkehrswende

Aus Sicht von Leicht und den Befürwortern ist der Radweg ein wichtiger Baustein des Schnellwegs Mannheim-Viernheim-Weinheim und der damit einhergehenden Verkehrswende. „Ich werde nach Spinelli ziehen. Wir sind inzwischen schon 30 Leute, und wir haben viele Fahrräder, auch subventionierte Lastenräder“, so Ina Schäfers, zukünftige Bewohnerin des Oikos-Projekts auf Spinelli. „Durch den neuen Abschnitt käme man vom neuen Wohngebiet bis zur Innenstadt ohne Unterbrechungen.“ Die Trasse soll vier Meter breit werden und komplett ohne Leitplanken sein. Wildtiere und Fußgänger können sie jederzeit queren. Was die Nutzer betrifft, liegt das Augenmerk auf den Kindern und Jugendlichen, die ohne Gefahren auf dem Radweg zu den Schulen gelangen können.

Auch die Statistik spreche für den neuen Radweg: „In einer Datenerhebung, in der deutschlandweit Menschen in Städten über 100 000 Einwohner befragt wurden, wie sie mit dem Radverkehr zufrieden sind, liegt Mannheim im Mittelfeld“, sagte Johannes Schuler, Mobilitätswissenschaftler am Fraunhofer-Institut und Grünen-Mitglied. Das könne verbessert werden. Pro Tag rechne man mit 2900 potenziellen Nutzern des Radwegs. „Jede zusätzliche Fahrt mit dem Rad ist eine ersetzte Autofahrt“, fügte Gerd Hüttmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Mannheim hinzu.

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