Mannheim

Universitätsmedizin Drei frühere Geschäftsführer

Von Pföhler über Dänzer bis Blattmann

Archivartikel

Zwei Jahrzehnte ist es her, dass die Stadt Mannheim ihr Klinikum, im Volksmund „Städtisches“ genannt, von einem Eigenbetrieb in eine gemeinnützige GmbH mit der Kommune als alleinigem Gesellschafter umwandelte. Diesen Prozess trieb der damalige Sozialbürgermeister Wolfgang Pföhler voran – nicht von ungefähr: Millionen-Defizite belasteten den Haushalt. 1997 übernahm der CDU-Politiker und Diplom-Kaufmann die alleinige Geschäftsführung. Pföhler erreichte mit veränderten Strukturen, dass die GmbH ein gutes Jahr später schwarze Zahlen schrieb. Außerdem gelang ihm 2001, dass dank einer Gesetzesänderung („Lex Mannheim“) das Großkrankenhaus (Trägerin Stadt) mit einer Fakultät für klinische Medizin (Land) offiziell als „Universitätsklinikum“ geadelt wurde – was den Weg für die spätere Vollfakultät samt Modellstudiengang ebnete.

Stellvertreter steigt auf

Als Pföhler 2005 an die Spitze der börsennotierten Rhön-Klinikum AG wechselte, rückte sein Stellvertreter Alfred Dänzer zum Geschäftsführer auf. Bis zur Hygiene-Affäre genoss der Finanzfachmann hohes Ansehen – auch weil das Mannheimer Klinikum wirtschaftlich gesund dastand, als andere Hospitäler längst in Defizite gerutscht waren. 2013 betrug der Überschuss noch 4,5 Millionen Euro. Später wurde Dänzer vorgeworfen, er habe den wirtschaftlichen Erfolg durch rigides Sparen erzielt. Das soll auch zu Mängeln der Sterilaufbereitung geführt haben. Aufgrund von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kündigte Dänzer zum 28. November 2014 seinen Rücktritt an. Auch als Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft zog er sich später zurück. Zur Überraschung der Gesundheitsbranche beriefen im Dezember 2015 die Berliner Rot-Kreuz-Kliniken Dänzer zum Aufsichtsratsvorsitzenden. Diese Position nimmt der inzwischen 70-Jährige bis heute wahr. Wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Medizinproduktegesetz muss er mit einem Strafprozess rechnen. Außerdem drohen ihm Regressansprüche in Millionenhöhe.

Neue Führungsspitze

Zur Nachfolge bestimmte die Universitätsmedizin mit dem Betriebswissenschaftler Jörg Blattmann und dem Mediziner sowie Ärztlichen Direktor Frederik Wenz ein gleichberechtigtes Geschäftsführer-Duo. Die beiden hatten vor allem mit den wirtschaftlichen Folgen der Hygieneaffäre zu kämpfen. Die Stadt beziehungsweise der Gemeinderat musste mehrfach finanziell einspringen. Weil manchen der Restrukturierungsprozess am Klinikum nicht schnell genug ging, wurde immer wieder Kritik an Blattmann laut, der den kaufmännischen Bereich verantwortete. Auch an der Stadtspitze soll es wiederholt Unmut gegeben haben, teils auch über unabgestimmtes Vorgehen der Geschäftsführer.

Am 11. Mai 2018 gab der Aufsichtsrat dann die Trennung von Blattmann bekannt. Ihn ersetzte Freddy Bergmann, der allerdings auch seine bisherige Aufgabe als Leiter des Geschäftsbereichs Finanzen und Unternehmensentwicklung behielt. Ob Bergmann dauerhaft Geschäftsführer neben Wenz bleiben sollte, wurde ausdrücklich offengelassen. 

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