Mannheim

Städteplanung Die Mannheimer profitieren vom Leben an Rhein und Neckar, aber das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft

Von wegen alles im Fluss

Verwehtes Herbstlaub, goldene Sonnenstrahlen, die sich den Weg durch die Baumkronen suchen und dann der weite Blick über das breite, fließende Wasserbett. Die Mannheimer lieben ihre Flussufer. Die naturbelassenen Abschnitte an Rhein und Neckar, der industriegeprägte Hafen, Liegewiesen, Strandbars, Sportplätze – das Leben am Fluss bietet viel Potenzial. Klaus Elliger, Leiter des Fachbereichs Städteplanung, weiß das sehr genau. Er sieht neben den Chancen allerdings auch die Herausforderungen. Denn in Mannheim gibt es noch einiges zu tun, um das Leben am Fluss aufzuwerten.

„Wir unterscheiden uns von anderen Großstädten am Fluss, weil die vielen Industrieanlagen vor allem im Hafen tatsächlich genutzt werden“, berichtet Elliger: „Es gibt da nicht viel Leerstand.“ Und – auch das sei außergewöhnlich – viele der Unternehmen müssten gar nicht zwingend am Wasser angesiedelt sein, haben dort aber schon Jahrzehnte ihren Platz.

Große Wohnprojekte

Am Hafen brummt es also. Anders als an so mancher Grünfläche an Rhein oder Neckar. „In der Tat haben wir noch einiges vor, um das Potenzial, dass uns die Flüsse bieten, mehr zu nutzen“, sagt Elliger und richtet seinen Blick unter anderem auf das geplante Großprojekt an der Schafweide.

Dort will die Stadt mit einem Neubau Platz für 200 Wohneinheiten schaffen. Auch dem Collini-Center soll neues Leben eingehaucht werden. „Nach dem Auszug der Stadtverwaltung stehen dort einige Neuerungen an, natürlich mit dem Ziel, das Wohnen am Fluss attraktiver zu machen.“Aber auch die Verbindung vom Wasser zur Innenstadt möchten die Planer zeitnah umgestalten. Dazu gehöre, so berichtet Elliger, die Umgestaltung des Böckler-Platzes mit einer neuen Verkehrsführung. „Wir stellen uns bessere Fußwege von Neckar und Rhein zur Innenstadt vor“, erklärt der Städteplaner. „Eine im Hinblick auf den Tourismus in Mannheim gute und notwendige Maßnahme“, findet Lisa Randisi, Pressesprecherin des Stadtmarketings. Sie hofft, dass durch attraktivere Zugänge Reisende, die mit dem Kreuzfahrschiff in Mannheim Halt machen, den Weg in die Quadrate finden.

Im Auge haben die Experten auch den Friedrichspark, da der Pachtvertrag 2021 ausläuft. Was dort konkret angedacht ist, wie der Friedrichspark mit dem Rhein in Kontext zu bringen ist und von wem das alte Eisstadion genutzt werden soll, darüber verliert Elliger allerdings noch kein Wort. Zukunftsmusik.

Doch er kennt auch die Grenzen aller Möglichkeiten, hat oft erlebt, dass Projekte am Wasser baden gingen. Zum Beispiel die Gastronomie-Plattform Riwwerside an den Lindenhöfer Rheinterrassen, die auch in der Kommunalpolitik Begeisterung ausgelöst hatte. „Es gibt zwei Gründe, warum diese und ähnliche Ideen doch immer untergegangen sind“, weiß Elliger. „Der erste und wichtigeste Punkt ist, dass dafür keine Genehmigungen erteilt werden. Aus Sicherheitsgründen“, sagt der Fachmann: „Da sind wir machtlos.“ Ein weiterer Aspekt sei die Finanzierung, fügt er hinzu: „Banken unterstützen eher, wenn es um Immobilien geht als um mobile Projekte.“ Deshalb sei trotz großer Euphorie weder Riwwerside noch die Idee eines Badeschiffs realisiert worden.

Eine weitere idyllisch anmutende Vorstellung gestalte sich in Mannheim ebenfalls schwierig, so Elliger: Es gebe trotz bester Flusslage kein einziges Hausboot. „Das scheitert schon an der Suche nach geeigneten Anlegestellen“, erklärt er. Soweit er wisse, gebe es zurzeit allerdings auch keine ernsthafte Anfrage. Aber wer weiß, was noch kommt beim Thema Stadt, Land und Fluss . . .