Mannheim

Frank-Herrmann-Stiftung Benefiz-Matinee zum 25. Jubiläum

Vorbild aus Oz: Gemeinsam Schicksalsschläge meistern

Archivartikel

Die Welt der Bühne ist unerschöpflich, das bestätigten die Ensemblemitglieder des Nationaltheaters auch im fünften Jahr ihres Engagements für das traditionelle Benefizkonzert der Frank-Herrmann-Stiftung. Wieder begeisterten sie den vollbesetzten Festsaal des Theresienkrankenhauses mit einem teils heiter, teils nachdenklich stimmenden Programm voller „liederlicher und wörtlicher Szenen aus der Welt des Theaters“. Begleitet von ihrem Pianisten Georg Metz bescherten die Opernsänger Uwe Eikötter und Thomas Jesatko zusammen mit den Schauspielern Ragna Pitoll und Reinhard Mahlberg den Gästen des Stiftungsjubiläums einen grandiosen Morgen. Verwegen kostümiert als Löwe, Blechmann und Zauberer begleiteten sie Dorothy auf ihrem Weg in das Land Oz aus dem weltweit bekannten Kinderbuch von Lyman Frank Baum.

500 000 Spenden seit 1994

Damit symbolisierten sie das Ziel der Stiftung, die seit 25 Jahren psychisch erkrankte Menschen darin unterstützt, ein weitgehend angstfreies und selbstbestimmtes Leben zu führen. Sich nach einem Schicksalsschlag nicht unterkriegen lassen, die Hoffnung nicht verlieren, mit Freunden Mut und Kraft aufbauen, dafür plädiert auch die Geschichte aus Oz seit ihrem Erscheinen im Jahr 1900. Mit überschäumender Spielfreude haben die Ensemblemitglieder diese Gedanken in Lieder und Texte umgesetzt. Hier war jeder Schauspieler und Sänger, Kabarettist und Rezitator zugleich.

Wenn Uwe Eikötter mit der Gitarre in der Hand das Lied des Steuermanns aus Wagners „Fliegendem Holländer“ anstimmt oder auf dem Besenstil den grotesken Hexenritt aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ vollführt, wenn Kammersänger Thomas Jesatko als Bluessänger mit Randy Newmans „You’ve got a Friend in me“ überzeugt, bebt der Saal vom Applaus. Aber auch Ragna Pitoll begeisterte als Chansonette: bei Barbaras erschütterndem Lied vom ungebetenen Besuch der „Einsamkeit“ oder Hildegard Knefs aufmunterndem „Eins und eins das macht zwei“. Dann wieder bot sie als Königin der Nacht eine vibrierende Persiflage auf Mozarts „Zauberflöte“ und rezitierte aus dem Talmud die Geschichte vom Portier im Freudenhaus. Zum köstlichen Kabinettstückchen fiel die Probe der Faustszene mit Reinhard Mahlberg als polterndem Regisseur aus, der Margarete zur Verzweiflung brachte.

„Leben ist Begegnung“ hat sich die Stiftung zum Motto gesetzt. Und wie könne das Leben besser vereint werden, als durch Kultur und Unterhaltung, sagte Vizevorstand Marcus Fähnle. Nur kurz erwähnte er die Aktivitäten der Stiftung, die Stadtrat Achim Weizel detaillierter hervorhob. Mehr als 500 000 Spenden seien seit 1994 eingegangen, betonte Weizel. Auch Stiftungsgründer Will Herrmann blickte auf die letzten 25 Jahre zurück: Mit Geduld und Hartnäckigkeit seien das Ziel trotz vieler Zweifel erreicht worden.

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