Mannheim

Religion St. Pius in Neuostheim schließt seine Pforten – um im Frühjahr 2022 als Ökumenisches Zentrum wieder zu eröffnen

Vorfreude auf eine gemeinsame Kirche

Archivartikel

Es ist kurz nach halb sieben am Sonntagabend, als die evangelische Pfarrerin Nina Roller die Pforte der St. Pius-Kirche in Neuostheim abschließt. Die Gemeinde zieht in den Pfarrsaal um. Zuvor haben Katholiken und Protestanten mit Mundschutz und Abstand unter Corona-Hygienebedingungen Abschied genommen von ihrem Gotteshaus, das nach einem umfangreichen Umbau im Frühjahr 2022 als Ökumenisches Zentrum wiedereröffnet werden soll (wir berichteten).

„Wir haben die Gewissheit, dass wir zurückkehren“, sagt Nina Roller, es sei kein Auszug, wie damals die Israeliten aus Ägypten, so die Pfarrerin in ihrer kurzen Predigt beim ökumenischen Gottesdienst vor der Kirche. Gestärkt soll die Gemeinde in diese Zwischenzeit gehen und sich auf den Neuanfang in einer gemeinsamen Kirche freuen. Dann haben die Gläubigen beider Konfessionen Zeit, von St. Pius Abschied zu nehmen – von der aufgeschlagenen Bibel im Altarraum, von der Statue der Mutter Gottes und dem Taufstein, der das verbindende Sakrament der Christen darstellt. Viele haben sich für die Ökumene in Neuostheim engagiert, mit einem gemeinsamen Ziel, das Zentrum als Modellprojekt: Die katholischen Priester Gerhard Schmutz und Karl Heinrich Jung haben vor vielen Jahren mit ihrem protestantischen Kollegen Horst Helmut Eck die gemeinsame Ära begonnen. Klaus von Zedtwitz für die Katholiken und die damalige Pfarrerin der Thomasgemeinde, Martina Egenlauf-Linner (heute Markusgemeinde), stellten die Weichen für ein gemeinsames Gotteshaus nach dem Wasserschaden im Dezember 2009 in der evangelischen Kirche. Bernhard Hübner, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates der Seelsorgeeinheit Johannes XXIII., und Gerlinde Kammer, Vorsitzende des Ältestenrates der Thomasgemeinde, tragen zum Abschied Taufkerze und Bibel aus der St. Pius-Kirche. Auch die beiden Dekane fördern das ökumenische Modellprojekt. Zentrales Element des neu gestalteten Chorraums wird das Taufbecken sein. Denn die Taufe verbindet die Konfessionen. „Damit wird deutlich, was uns als Christen – gleich welcher Konfession – zutiefst und untrennbar verbindet“, so der katholische Dekan Karl Jung und betont: „Gleichzeitig macht diese Platzierung des Taufbeckens unübersehbar, wie weit das ökumenische Miteinander vor Ort bereits im Alltagsleben verwurzelt ist. Das gilt für den Altar, der aus der Thomas- und St. Pius-Kirche gestaltet werden soll.“

Sein evangelischer Kollege, Dekan Ralph Hartmann, erklärt: „In Neuostheim macht die Ökumene einen großen Schritt vorwärts. Großer Dank an Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und katholischen Gemeinde, die sorgfältig und akribisch einen gemeinsam konzipierten Gottesdienstraum gestalten. Gut, dass wir in Mannheim eine Kirche haben, die so konsequent Ökumene lebt.“

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