Mannheim

Geburtstag Michael Wegner wird 85 / Sechs Jahre evangelische Stadtsynode geführt

Vornehmer Hanseat zeigt stets leidenschaftlichen Einsatz

Er hat sich zurückgezogen, fast alle Ämter abgegeben und besucht – wohl auch wegen der Corona-Pandemie – derzeit nicht einmal die Gottesdienste in der Christuskirche: Michael Wegner, über Jahrzehnte ehrenamtlich engagiert in der evangelischen Kirche Mannheims, wird heute 85 Jahre alt.

Es ist erst drei Jahre her, da brachte Wegner ein Projekt ins Rollen, auf das er besonders stolz sein kann. Mit Pfarrer Stefan Scholpp und Klaus Hohlfeld zählte Wegner – gerade dank seinem Sachverstand – zu den Motoren der Idee, dass 2017 zum Reformationsjubiläum 610 Menschen die 76 biblischen Bücher von Hand abschrieben.

Inzwischen liegt das Werk auf dem Altar der Christuskirche, und die Gemeinde hat ihn 2018 als Dank dafür mit dem „ChristusFriedenEngel“ ausgezeichnet. Die Ehrung erinnert an die weithin sichtbare vergoldete Figur vom Erzengel Michael auf dem Turm der Christuskirche – und er war für Wegner lange wichtiger Wegweiser.

Eigentlich ist der Mann, dessen stets korrekt gebundene Fliege zum Markenzeichen wurde, Hamburger. Da seine Eltern früh starben, kam er aber in ein Internat im Schwarzwald. Nach Buchhändlerlehre, Studium, Doktorarbeit, Mitarbeit in einem kleinen Verlag sowie Tätigkeit als Lektor bei Piper war er 27 Jahre beim Verlag Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus in Mannheim tätig, wo er 1998 als Vorstand ausschied und in den Ruhestand trat. Bücher prägten nicht allein sein berufliches Leben – auch ehrenamtlich setzte er sich für Leseförderung ein, etwa als Vorsitzender des Kuratoriums des Fördervereins der Stadt- und Musikbibliothek. In dieser Funktion kämpfte er lange für den – jetzt erst beschlossenen – Neubau. Zuvor hatte er den Förderverein der Städtischen Musikschule mitgegründet.

Persönlich zeichnete ihn immer hanseatische Zurückhaltung aus – aber Leidenschaft in der Sache. Mit einer Mischung aus Kompetenz und Überzeugungskraft, Humor und Gottvertrauen brachte er sich vielfältig bei der Evangelischen Kirche ein. Das reichte vom Ältestenkreis der Christuskirche bis zur evangelischen Schulstiftung, wovon ihm heute noch die Mitgliedschaft im Kuratorium des Bach-Gymnasiums geblieben ist. Besonders prägend wie fordernd waren indes die sechs Jahre als Vorsitzender der Stadtsynode der Evangelischen Kirche, wo Wegner für die Ökumene eintrat, besonders aber viele unpopuläre Sparmaßnahmen anstoßen, umsetzen und vermitteln musste.

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