Mannheim

Kriminalität Polizei und Präventionsvereine der Region haben eine Aufklärungskampagne gestartet, um die Tricks der Telefonbetrüger offenzulegen

Vorsicht: Gauner an der Strippe

Archivartikel

Betrügereien am Telefon sind in den vergangenen Jahren zu einer verstörenden Normalität im Alltag geworden. Kriminelle, die sich beispielsweise als angebliche Enkel oder Polizeibeamte ausgeben und so Vertrauen erschleichen, erbeuten immer wieder Geld zumeist älterer Opfer. Um den Betrügern entgegenzuwirken, setzten das Polizeipräsidium Mannheim sowie die Vereine Sicherheit in Mannheim, Sicheres Heidelberg und Prävention Rhein-Neckar auf Aufklärung.

Um dabei möglichst viele Menschen zu erreichen, zeigen sich in diesen Tagen auch Polizeibeamte etwa an Einkaufszentren in der Region, um über die Gefahr zu informieren. Auch bringen Polizei und Initiativen eine rot-blaue Postkarte in Umlauf, die an die richtige Verhaltensweise am Telefon erinnert: „Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse“ oder „Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen“.

Manipulation am Telefon

Klingt banal? Ist es aber nicht. „Die Betrüger wissen in der Regel ganz genau, wie sie ihre Opfer manipulieren können“, sagt Reiner Greulich, Beamter im Referat Prävention des Präsidiums Mannheim und Geschäftsführer des Vereins Sicheres Heidelberg. Die Spielarten dieses Betrugs seien vielfältig. Mal ist es der Enkel in Not, mal ist es der angebliche Polizeibeamte oder der Staatsanwalt, der sich angeblich telefonisch meldet. Ältere Menschen seien empfänglich für Hilfegesuche, etwa wenn der angebliche Enkel behauptet, er sitze in der Patsche und könne selbst nicht kommen, um das dringend benötigte Geld abzuholen.

Wichtig sei es daher die Menschen für die Tricks der gut organisierten Gauner zu sensibilisieren, sagt Greulich. Es habe schon Fälle gegeben, wo gutgläubige Senioren ihre gesamte finanzielle Altersvorsorge an Kriminelle ausgehändigt hätten, sagt Greulich. Die Verfolgung solcher Straftaten genieße absolute Priorität im Mannheimer Präsidium, betont Polizeipräsident Andreas Stenger.

Auch aus Sicht des Landeskriminalamtes (LKA) ist es entscheidend, dass die üblen Tricks der Betrüger im Bewusstsein bleiben. „Opfer dieser Straftaten berichten uns immer wieder, dass sie bei solchen Anrufen einfach nicht mehr an einen Betrug dachten“, betont Ralf Michelfelder, Präsident des LKA Baden-Württemberg, der auch für die polizeiliche Prävention im Land zuständig ist. Zumal Telefonbetrüger oftmals auch aktuelle Entwicklungen im Alltag zu ihrem Vorteil nutzen und dabei ihre Masche anpassen.

Covid-19 beim angeblichen Enkel

So haben sich auch mit der aktuellen Pandemie die Meldungen über angeblich erkrankte Verwandte gehäuft, die telefonisch dringend auf Bargeld für ihre „Behandlung“ gedrängt haben. Bei einem anderen Trick geben sich die Kriminellen am Telefon als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes aus und bieten Corona-Tests für mehrere tausend Euro an.

Beliebt sei auch der Auftritt eines Betrügers, der als angeblicher Mitarbeiter einer Bank für eine vielversprechende Geldanlage in Krisenzeiten wirbt, sagt Martin Boll, Leiter des Referats Prävention im Polizeipräsidium. „Doch auch wenn Täter mit solchen Behauptungen hochgradig manipulativ vorgehen und Menschen massiv unter Druck setzen, die Masche gelingt nicht immer“, fügt er hinzu. Schnappe die Falle aber zu, dann sei die Schadenshöhe oftmals enorm.

Hinzu komme eine hohe Dunkelziffer, da viele Betroffene den Anruf der Täter einfach unbeeindruckt beenden und es dabei belassen. Aber es gibt auch die anderen Fälle. „Man kann davon ausgehen, dass manche Menschen aus Scham den Betrug sogar verschweigen“, sagt Boll. Daher komme zum finanziellen Verlust auch die erlittene Schmach hinzu. Damit könnten eine Verunsicherung und somit ein Verlust an Lebensqualität einhergehen.

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