Mannheim

Feuerwehr Sicherheitsausschuss informiert sich über Verzögerungen / Kostensteigerung ungeklärt

Wache Nord bleibt eine Dauerbaustelle

„Nie mehr“, so schwor Erster Bürgermeister Christian Specht sich und den Stadträten, „nie mehr werden wir eine Feuerwache sanieren – nur noch neu bauen!“ Diese Konsequenz zog er im Sicherheitsausschuss des Gemeinderats. Der wurde jetzt über die ständigen Verzögerungen bei der Generalsanierung und Erweiterung der Feuerwache Nord in Käfertal informiert.

Seit September 2017 ist sie eine Baustelle, und gerne hätten die Stadträte sich vor Ort umgesehen, warum es nicht vorangeht. Weil wegen des Coronavirus derzeit Feuerwachen nicht von Externen betreten werden dürfen, drehte Spechts Mitarbeiterin Désirée Leisner ein Video. Es illustrierte die, so Feuerwehr-Kommandant Karlheinz Gremm, „schwierigen Bedingungen“, unter denen die Feuerwehrleute dort derzeit Dienst machen und ausrücken. Der Betonbau an der Ecke Auf dem Sand/Waldstraße, der von 1975 stammt, ist marode, veraltet und zu klein. Ende 2019, so hieß es beim Baubeginn 2017, sollten die Arbeiten fertig sein. Im März 2019 war von Ende 2020 die Rede, doch immer wieder gab es Verzögerungen.

Es wurden Schadstoffe entdeckt, es gab einen Wassereinbruch durch das Dach in die Bereitschaftsräume der Löschzug-Besatzung – Wachleiter Klaus Sieber schilderte die Gründe für die Verzögerung ebenso wie die Arbeitsbedingungen der Mannschaft, die trotz Baustelle weiter rund um die Uhr dort leben, arbeiten und von da ausrücken muss. Deren Ruheräume sind derzeit die – schon fertiggestellten – künftigen Büros, die Einsatzkleidung hängt aber in der Fahrzeughalle, überall gibt es Provisorien, Staubschutzwände, Lärm und Dreck. „Die Kollegen hoffen, dass irgendwann das Ende naht“, so Klaus Sieber. Zwei Mitarbeiter seien eigens freigestellt, um mit den Baufirmen die Abläufe so zu besprechen, dass die Wache einsatzbereit bleibt, ergänzte Gremm.

„Ziemlich atemberaubend“ fand SPD-Stadträtin Claudia Schöning-Kalender die Bilder und Schilderungen. „Keine einfachen Zeiten für die Mannschaft“, stellte ihr Kollege Chris Rihm (CDU) fest. „Ich kann mir vorstellen, dass das an den Nerven zerrt“, meinte Holger Schmidt (ML): „Wir hätten besser neu gebaut, das wäre billiger und schneller gewesen“. Daraufhin kam dann die Zusage von Specht – auch mit Blick auf die Wache Süd, die eigentlich ebenfalls saniert werden müsste.

Noch über ein Jahr Bauzeit

Erst auf Nachfrage der Stadträte gab es – vorsichtige – Aussagen zum Zeitplan. „Komplett 2021 werden wir wohl noch brauchen“, sagte Gremm voraus. Er hoffe, dass das Projekt vor seiner Pensionierung im Februar 2022 abgeschlossen sei. „Ich hoffe, dass die jetzt Gas geben“, sagte Klaus Sieber, damit zumindest die neuen Gebäude Mitte 2021 bezogen werden können und dann nur noch Außenanlagen sowie Restarbeiten zu machen seien.

Offen blieb die Frage der Kosten. Gremm war zumindest „nicht bekannt, dass wir aus dem Haushalt rauslaufen“. Das würde 22 Millionen Euro bedeuten, diese Zahl hatte die Stadt zuletzt genannt, nachdem zuvor von 17,75 Millionen die Rede war. Specht war von Etatüberschreitungen nichts bekannt – er verlasse sich da auf die Aussagen des Baudezernats. Eine Zahl nannte er nicht.

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