Mannheim

Rollenbilder Diskussionsrunde zu Gleichheit und Individualität / Mutige, persönliche Redebeiträge von Zuhörern

Wachsender Unmut über Geschlechterklischees

Archivartikel

„Club der unmöglichen Fragen“ nennt sich die offene Diskussionsrunde zu „Alltags-Extremismus aus Frauenperspektive“. Bei dem zweieinhalbstündigen Gedankenaustausch im Theater-Werkhaus rund um Medien und Rollenbilder blitzt auch die Unmöglichkeit auf, darauf Antworten zu finden, mit denen sich jede Frau identifizieren kann.

Die häufig mutigen und persönlichen Redebeiträge ohne Korsett einer moderierten Diskussion offenbaren, dass es „die Frau“ nicht gibt, Lebensentwürfe auseinanderdriften, Bedürfnisse unterschiedlich empfunden werden – gleichwohl verbindet etwas Gemeinsames: der wachsende Unmut gegenüber Geschlechterklischees.

Zahra Deilami, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, und Beata Anna Schmutz, künstlerische Leiterin des Mannheimer Stadtensembles, leiten den Abend mit Sylvia Schraut, Professorin für Neuere Geschichte. Die drei geben immer wieder Anregungen für die Debatte, lassen aber vor allem das Frauen-Publikum zu Wort kommen – was keineswegs bedeutet, dass die wenigen Männer des Abends zum Schweigen verdonnert sind. Ohnehin taucht immer wieder das Anliegen auf, nicht das jeweilige Geschlecht, sondern Individualität wahrzunehmen – will heißen: den Menschen.

Als bereichernd erweist sich, dass eingeladene Gäste Thesen zur Diskussion stellen. So zeigt die pensionierte Studiendirektorin und leidenschaftliche Fotografin Maria Guckert-Damian anhand von Beispielen auf, wie Frauen als Zierde von Männern oder sexy Beiwerk optisch dargestellt werden. „Medien-Extreme“ sollen bei dem Einstiegsabend zur neuen Themenrunde beleuchtet werden. Der in dem Einladungsflyer formulierten Meinung, mediale Verzerrungen würden sich in den Köpfen als „das Wahre“ festsetzen, widerspricht „MM“-Redakteurin Angela Boll und führt das inzwischen „sehr kritische Verhältnis“ zu Publikationen ins Feld.

Weites Medienfeld zur Information

Ohnehin bedienen sich heutzutage Frauen und Mädchen höchst unterschiedlicher Infoquellen – von Instagram über Youtube bis hin zu Zeitungen. Die Redebeiträge offenbaren, wie immens sich mediales Interesse bei der jungen Generation geweitet hat. „Bei uns 25-Jährigen ist Porno, der selbstbestimmt von Frauen betrieben wird, ein großes Thema“, erklärt eine Besucherin, die sich wünscht, dass Tabuthemen wie die Menstruation aus der Schmuddelecke geholt werden.

Einem roten Faden gleich durchzieht die Debatte, wer eigentlich Rollenklischees vorgibt und warum sie akzeptiert werden. Diese Frage beschäftigt Adrienne Steffen nicht nur als Expertin für Medien- und Kommunikationsmanagement. Ihre fünfjährige Tochter, die den Kindergarten besuche, erzählt die Hochschul-Wissenschaftlerin, bevorzuge rosarote Kleider mit Glitzer, obwohl sie als Mutter vorwiegend Hosen trage und keineswegs mit „Pink“ liebäugle.

Zum Thema