Mannheim

Waldhof-Fan muss 500 Euro Geldstrafe zahlen

Mannheim.Am Mittag ist vor dem Mannheimer Amtsgericht ein 21-Jähriger wegen schwerer Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt worden. Das Verfahren gegen einen weiteren 25 Jahre alten Angeklagten wurde vorläufig eingestellt.

Laut Anklage hatten die beiden gemeinsam mit weiteren Waldhof-Anhängern am 27. Februar 2016 nach einem Fußballspiel des SV Waldhof in Mannheim am Hauptbahnhof mehrere Personen angegriffen und zum Teil schwer verletzt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gehören die Angeklagten den sogenannten Ultras, einem Teil der Waldhof-Fanszene, an. Die Mannheimer waren aufgrunddessen bereits vor der Tat polizeibekannt. Der Angriff sei, so schilderte es Oberstaatsanwalt Andreas Grossmann, am Gleis zwei unmittelbar vor der Abfahrt eines ICE erfolgt, in dem Fans des Vereins Hannover 96 saßen.

Der 25-jährige Angeklagte machte vor Gericht keine Angaben. Der 21-Jährige, der zum Tatzeitpunkt noch Hernwachsender war, ließ über seinen Anwalt erklären, er sei an dem Tattag am Bahnhof gewesen und hätte sich dazu hinreißen lassen, die ihm in der Anklage vorgeworfenen Taten zu begehen. Der Hintergrund der Tat sei ihm nicht bekannt gewesen. "Er bedauert, was seinerzeit geschehen ist", sagte Verteidiger Markus Künzel: "Hätte er nachgedacht, wäre es nicht dazu gekommen."

Nach der Beweisaufnahme und der Vernehmung von vier Zeugen, stellte Oberstaatsanwalt Grossmann den Antrag, das Verfahren gegen den 25-Jährigen vorläufig einzustellen. Hintergrund: Der Mann war auf den Bildern der Videoüberwachungskamera nicht eindeutig identifizierbar. Für den mitangeklagten 21-Jährigen hielt Grossmann eine Strafe von neun Monaten für tat- und schuldangemessen. Der Angriff sei kein jugendtypisches Verhalten, sondern dem "klassischen Hooliganismus" zuzuordnen, sagte Grossmann. Gegen solche Taten müsse man mit Entschiedenheit vorgehen. Der Staatsanwlat plädierte dafür, den Angklagten nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen. Verteidiger Markus Künzel kam zu dem Schluss, dass bei seinem Mandant Jugendstrafrecht anzuwenden sei. Ohne eine konkrete Summe zu nennen, forderte er die Verhängung eines Bußgelds im unteren Bereich und wies auf das Geständnis hin, das erheblich zur Verkürzung des Prozesses beigetragen habe.

Im Urteil bezog sich die Kammer schließlich auf das Jugendstrafrecht. Auf den Bildern der Videoaufzeichnung sei lediglich zu erkennen, dass sich der nun Angklagte im Pulk der Waldhof-Fans aufgehalten habe. "Ihm schwerwiegende körperliche Angriffe nachzuweisen, wäre schwer geworden", erklärte Richter Holger Hamm. Er würdigte insbesondere das Geständnis des 21-Jährigen: "Das hat mir gut gefallen. Es spricht für Sie." Die Geldstrafe von 500 Euro geht an eine gemeinnützige Organisation. Der 21-Jährige kann sie in Raten zu je 50 Euro abzahlen.

Das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten in diesem Fall wurde abgetrennt, er konnte aufgrund einer psychosomatischen Belastungsstörung am heutigen Verhandlunstag nicht teilnehmen.