Mannheim

Frauenhaus Sozialminister Lucha besucht Heckertstift / Themen Finanzierung und Immobilienmarkt

Warten auf eine Wohnung

Auf Landesebene ist die Zahl der Frauen, die wegen häuslicher Gewalt alleine oder mit Kindern in einem Frauenhaus Schutz gefunden haben, um vier Prozent zurückgegangen. Im Heckertstift, dem Frauen- und Kinderschutzhaus der Cartias, blieb die Zahl allerdings in etwa konstant. Im Jahr 2017 fanden 42 Frauen mit 47 Kindern Aufnahme im Heckertstift – in 2016 waren es 46 Frauen und 61 Kinder, sagte Leiterin Ruth Syren dem Landessozialminister Manne Lucha (Grüne), der gemeinsam mit Oberbürgermeister Peter Kurz die Einrichtung besuchte. Der Bedarf sei nach wie vor da, machte die Leiterin im Gespräch klar.

Defizit im Kreis

Auch das Land Baden-Württemberg hat ausgewertet, in welcher Stadt und welcher Region es genügend Plätze für Frauen und Kinder in Schutzhäusern gebe. „Besonders günstig“, so steht es in dem Bedarfplan des Landes, „ist die Situation in den Stadtkreisen Mannheim und Baden-Baden (...). Allerdings ist zu bedenken, dass in diesen Stadtkreisen Mängel in umliegenden Flächenlandkreisen aufgefangen werden. Als besonders mangelhaft sind die Landkreise Rhein-Neckar-Kreis, Ludwigshafen, Böblingen, Rems-Murr-Kreis und Ortenaukreis einzuschätzen.“ Das Land spricht von einem großen Defizit, den Mannheim teilweise ausgleichen müsse.

Auch Ruth Syren sieht dieses Problem, spricht aber noch ein weiteres an: die Finanzierung. „Oft ist die Kostenübernahme unklar“, erklärt Syren. In Mannheim gebe es zwar wenige Probleme, weil das Jobcenter viel für die Einrichtungen regele und die Kosten für Unterkunft und Betreuung aus den zuständigen Kommune einfordere, doch in anderen Städten und Kreise sei das durchaus problematisch. „Es gibt keine gesetzliche Regelung, die bundesweit einheitlich gilt“, sagt Syren. Das wünsche sie sich. Momentan sei es so, dass in Baden-Württemberg Frauenhäuser sich über Tagessätze finanzieren, die etwa bei eine Frau, die Hartz-IV bekommt, von der Herkunftskommune bezahlt werde. In anderen Bundesländer gebe es diese Regelung gar nicht. „Bund, Länder und Kommunen reiben sich so gegeneinander auf, wer was wie bezahlen muss.“

Ein weiteres Problem sieht Ruth Syren bei der Anschlussunterbringung. „Viele Frauen warten lange auf eine Wohnung in Mannheim“, erzählt die Leiterin des Heckertstifts. Die Wohnungsbaugesellschaft GBG sei ein guter Partner, der viele Wohnungen vermittle, aber auch hier stagniere es zurzeit. „Wir hoffen, dass der Markt sich bald entspannt, damit Frauen schneller in ein normales Leben starten können.“