Mannheim

Was in den Paradise Papers steht

Archivartikel

Die Paradise Papers – darin sind auch die vier neuen Investoren auf dem Turley-Kasernengelände in Mannheim mit mehreren Firmen auf Malta gelistet – sind vertrauliche Daten. Darin finden sich beispielsweise Gründungsurkunden, Kreditverträge, Rechnungen, Bankauszüge. Sie stammen im Wesentlichen aus Geschäften des Dienstleisters Appleby und des Treuhandunternehmens Asiatici Trust in Singapur. Das sind Unternehmen, die als sogenannte Offshore-Dienstleister arbeiten. Übersetzt heißt das, Unternehmen bei der Verlagerung ins Ausland zu helfen.

Die Paradise Papers wurden im November 2017 öffentlich gemacht. Der Name resultiert aus dem Gedanken, dass es sich bei allen in den Papieren aufgeführten Orten um Plätze in Steuerparadiesen handelt (paradise papers engl. = Papiere aus dem Paradies).

Etwa anderthalb Jahre vorher, Anfang April 2016, kamen die Panama Papers aufgrund eines Datenlecks an die Öffentlichkeit. Dabei handelte es sich um vertrauliche Unterlagen des Unternehmens Mossack Fonseca mit Sitz in Panama. Der Name entstand, weil Mossack Fonseca von Panama aus als Offshore-Dienstleister tätig war. Inzwischen gibt es die Firma nicht mehr.

Auswertung dauerte ein Jahr

Im April 2016 brachten weltweit mehr als 100 Zeitungen, Fernsehstationen und Online-Medien in etwa 75 Ländern erste Ergebnisse aus den Panama Papers heraus. Nach Einschätzung der beteiligten Medien belegen die Unterlagen legale Strategien der Steuervermeidung, aber auch Steuer- und Geldwäschedelikte, den Bruch von Sanktionen der Vereinten Nationen sowie andere Straftaten. Ähnliches gilt für die Paradise Papers, die gut anderthalb Jahre später öffentlich gemacht wurden.

Bei den Dokumenten aus den Panama Papers handelt es sich um etwa 11,5 Millionen E-Mails, Briefe, Faxe, Belege, Bilddateien und Grafiken aus den Jahren 1977 bis 2016. Die Paradise Papers dokumentieren rund 13,4 Millionen Verträge, Eintragungen, Verbindungen aus einem Datenleck für den Zeitraum von 1950 bis 2016. Die Daten stammen aus 21 verschiedenen Quellen.

Ermittlungen gegen Politiker

Eine Zusammenschluss von Journalisten aus aller Welt, das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ), hatte die Daten der Panama Papers und der Paradise Papers vor Veröffentlichung jeweils mindestens ein Jahr lang ausgewertet und weitere Recherchen vorangetrieben. Aus Deutschland arbeitete die „Süddeutsche Zeitung“ prägend an der Aufbereitung mit. Allein bei den Paradise Papers waren an Recherche und Auswertung für die Öffentlichkeit etwa 380 Journalisten von 96 Medien aus 67 Ländern beteiligt.

Am 9. Mai 2016 stellte das ICIJ eine Datenbank online – mit Namen und Adressen von mehr als 300 000 Briefkastenfirmen, Trusts, Vermittlern, Anteilseignern, die mit Hilfe Mossack Fonsecas entstanden waren. Diese riesige Datenbank ist inzwischen erweitert um die Erkenntnisse aus den Paradise Papers. Die Enthüllungen haben in vielen Ländern zu Ermittlungen gegen Politiker und Prominente geführt und öffentliche Debatten über Steuerschlupflöcher, Briefkastenfirmen, Steueroasen – und Delikte und Steuermoral ausgelöst. 

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