Mannheim

Was ist Auferstehung?

Archivartikel

In den 50 Tagen der Osterzeit werden die Geschichten, wie Menschen dem auferstandenen Jesus begegnen, immer und immer wieder aus der Bibel vorgelesen. Immer getragen von der Frage im Hintergrund: Was ist eigentlich Auferstehung?

So trägt die Osterausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ in diesem Jahr den Titel: „Meine Auferstehung.“ Menschen erzählen Geschichten, wie sie ein zweites Leben geschenkt bekommen und das wie eine Auferstehung erleben. Wir versuchen zu verstehen, was Auferstehung ist. Im Evangelium dieses Sonntages erzählt das Johannesevangelium, wie einige Jünger nach dem Tod Jesu als trauriges kleines Häufchen wieder nach Hause, nach Galiläa, zurückgehen. Alles auf Anfang. So viel Energie und Hoffnung, so viel Zeit und Kraft haben sie in die Begegnung mit Jesus gesteckt.

Die Netze bleiben leer

Jetzt, zuhause, machen sie das, was sie vor der Begegnung mit Jesu gemacht haben: Sie gehen wieder ihrem Beruf nach, den sie gelernt haben. Sie beginnen ihre Netze auszuwerfen und Fische zu fangen. Traurig, niedergeschlagen, lustlos beginnen sie mit ihrem Tagewerk, und es geht ihnen wie uns an solchen Tagen – sie fangen nichts, ihre Arbeit ist umsonst, kein Fisch im Netz.

Da taucht Jesus auf, er steht einfach am Ufer, an dem Ort, wo ihre Arbeit begonnen hat. Sie erkennen ihn nicht, wie immer in diesen Geschichten. Wie auch? Denn niemand rechnet mit dem Unwahrscheinlichen, dem nie Dagewesenen, dem Unglaublichen. Aber seine Jünger lassen sich etwas von Jesus sagen, wie schon einmal, wie am Anfang ihrer Begegnung. Sie sind in ihrer Trauer doch nicht ganz verschlossen. Das zeichnet alle aus, die dem auferstandenen Jesus begegnen: Die Jünger von Emmaus sprechen mit dem Fremden, Maria aus Magdala wendet sich dem vermeintlichen Gärtner zu. Die Jünger versuchen es noch einmal mit dem Fischen, mit ihrer Arbeit und ihre Netze sind am Ende voller Fische. Da merken sie: Es ist der Herr!

Verwandlung und Neubeginn

Es geht alltäglich weiter. Jesus isst mit ihnen, er spricht mit ihnen, stellt Fragen. Und doch ist nichts mehr, wie es früher war. Jesus ist ein Verwandelter, er wird nicht bei ihnen bleiben, er wird nicht mehr so bei ihnen sein, wie sie es kennen. Er ist durch Leid und das Dunkel gegangen, durch Einsamkeit, Verrat und Tod.

Aber auch die Freunde sind nicht mehr die, die sie waren. Auch sie haben Trauer, Verlust und Angst erlebt. Deshalb bedeutet Auferstehung nicht: Es geht so weiter wie vorher. Vielmehr hat sich das Leben gewandelt. Die Jünger werden ein zweites Mal ihre Netze zur Seite legen und sich auf den Weg machen, sie werden nicht mehr in ihr altes Leben zurückkehren. Sie werden als Verwandelte ein neues Leben beginnen, auf den Spuren von Jesus, ohne ihn. Suchend, aber selbstbewusst und gestärkt.

Auferstehung ist ein Neubeginn nach Trauer und Leid, Auferstehung ist Versöhnung nach Verrat und Enttäuschung. Auferstehung ist kein plötzliches Neuwerden auf Knopfdruck. Denn das Erlebte ist nicht vergessen, sondern die Grundlage, dass etwas neu werden kann. So gibt es viele Auferstehungsgeschichten auch in unserem Leben: manchmal ein zaghafter Neuanfang nach Katastrophen und großen Krisen, manchmal auch eher kleine Schritte zurück ins Leben.

Sigrun Gaa-de Mür,

Gemeindereferentin der

Katholischen Gemeinde

Brühl-Ketsch