Mannheim

Spieletrend Vor drei Jahren sammelten viele die virtuellen Monster mit ihren Smartphones – die Gemeinschaft ist immer noch aktiv

Was macht . . . „Pokémon Go“?

Archivartikel

Die Teilnehmer finden sich in Paaren zusammen, um mit ihren virtuellen Monstern gegeneinander anzutreten. Einer von ihnen ist Florian Kutz. Er und rund 20 weitere „Pokémon Go“-Spieler treffen sich im Unteren Luisenpark, direkt am Carl-Fuchs-Stein. Wenig später eröffnet ein ehrenamtlicher Spielleiter mit „Turnier läuft!“ den Regenbogen-Cup. Organisiert wird das Turnier von der Silph-Liga. Die ist für „Pokémon-Go“ so etwas wie die Bundesliga für den DFB – nur ohne offizielle Unterstützung. Es gibt sie also noch, die Anhänger des Spieletrends aus dem Jahr 2016.

Damals hat „Pokémon Go“ etliche Menschen in seinen Bann gezogen. In Mannheim wurden Paradeplatz, Wasserturm und Rheinpromenade im Sommer von Spielern mit ihren Smartphones belagert: Vom zwölfjährigen Realschüler über die Soziologie-Studentin bis hin zur Bäckermeisterin sammelte jeder japanische Monster.

Erstmals ohne Spielkonsole

Nintendo hatte mit dem Entwicklerstudio Niantic am 6. Juli 2016 erstmals ein Spiel für Smartphones veröffentlicht, statt wie bisher auf Spielekonsolen. Die App sorgte für restlose Begeisterung auf der ganzen Welt. Der Unternehmenswert von Nintendo, das lange schon eine etablierte Aktiengesellschaft war, verdoppelte sich auf 38 Milliarden Euro.

Mittlerweile tummeln sich in der Jugendstilanlage rund um den Wasserturm wieder Menschen, die auf ihren Smartphones hauptsächlich Instagram und WhatsApp nutzen. Doch tot ist „Pokémon Go“ nicht. Florian Kutz ist 22 Jahre alt und nahm als „TalonFlo“ schon an der Europameisterschaft in Dortmund teil. Dort trat er gegen die 100 besten „Pokémon Go“-Spieler des Kontinents an. „TalonFlo“ ist Kutz’ Ingame-Name, also der Name, den er im Spiel benutzt. „Ich spiele ungefähr zwei bis drei Stunden pro Tag“, erzählt der Informatikstudent, dessen Bachelorarbeit sich um die Programmierung eines Bots für ein anderes Pokémon-Spiel dreht.

An sogenannten PVP-Events (Spieler gegen Spieler) wie dem Regenbogen-Cup nimmt nur ein geringer Teil der „Pokémon Go“-Gemeinschaft teil. Die rund 500 aktiven Spieler in Mannheim und Ludwigshafen treffen sich eher an Community-Tagen, um gemeinsam besondere Pokémon zu fangen, oder zu Raid-Kämpfen. In ganz Mannheim befinden sich Arenen an bekannten Orten, die die Spieler einnehmen müssen. In einem Raid schließen sich Spieler zusammen, um besonders starke Pokémon in einer Arena gemeinsam zu besiegen. Danach erhält jeder die Möglichkeit, dieses Pokémon zu fangen und zu sammeln.

Vor drei Jahren war der Wasserturm der Ort, der viele Spieler anzog. Heute sind es der Hauptfriedhof und der Obere Luisenpark, an denen in der App am meisten passiert. Viele Spieler fahren auch in die Heidelberger Altstadt oder in den Gartenschaupark in Hockenheim. Ein Spieler schätzt das Durchschnittsalter der „Pokémon Go“-Nutzer auf „um die 25 Jahre“. Ein mittelalter Radfahrer hält an, um sich zu erkundigen, was hier gemacht wird. Nach kurzer Erklärung zieht er von dannen: „Das ist ja schräg.“

Im Regenbogen-Cup werden fünf Runden gespielt. In jedem Durchgang erhält man einen anderen Gegner. „TalonFlo“ tritt gegen „SojaHater“ an, der eigentlich Pangxun heißt und in Heidelberg Geschichte studiert. Unter den 19 Cup-Teilnehmern sind drei Frauen. Auch Romanzen unter den Anhängern des Spiels kommen vor: Julia – oder „SplitTheUnicorn“ – hat durch „Pokémon Go“ ihren Freund Justin – oder „Coldjackmirror“ – kennengelernt. Die beiden sind seit über einem Jahr ein Paar. „Es gibt sogar zwei Spieler in Mannheim, die sich bei einem Pokémon-Event kennengelernt haben und mittlerweile ein Kind erwarten“, erzählt die 21-Jährige im Gespräch.

Der Regenbogen-Cup ist mittlerweile zu Ende, und es gibt fünf Gewinner, die alle jeweils ein Spiel verloren und vier gewonnen haben. Pangxun alias „SojaHater“ ist einer von ihnen und konnte dadurch seinen Titel vom Albtraum-Cup im Monat zuvor verteidigen.

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