Mannheim

Was, wenn?

Archivartikel

Neulich spazierte ich durch unsere Fußgängerzone und vor einem Bücherladen fiel mein Blick auf eine Spruchkarte. Dort stand in Großbuchstaben geschrieben: "ABER WAS, WENN ES DOCH MÖGLICH WÄRE?"

Eine spannende Frage. Es ist sicher die Frage, die jeden Lottospieler dazu treibt immer wieder einen neuen Lottoschein auszufüllen in der Hoffnung, endlich die sechs Richtigen mit Zusatzzahl zu tippen.

Oder die dem aus der Ferne Liebenden den Mut verleiht, der oder dem Angebeteten endlich ein Zeichen seiner Zuneigung zu zeigen. Dem Zaudernden kann sie Flügel verleihen, um über seinen Schatten zu springen auf eine Zukunft hin, die noch ungewiss, aber verheißungsvoll ist.

Es ist eine Frage, die mich in Bewegung bringt und mich über meine aktuellen Möglichkeiten hinaus denken und schreiten lässt. Einer verzagten Ungewissheit stellt sie ein aktives Ergreifen der Gelegenheit gegenüber und lässt mich nicht stehenbleiben, sondern weitergehen.

Möglichkeit der Veränderung

"Den Mutigen gehört der Welt", könnte ich hier auch eine alte Lebensweisheit zitieren, aber natürlich wird nicht jeder Mut belohnt.

Ist es deswegen besser, es gar nicht zu versuchen?

Nein, sicher nicht, denn es zu versuchen ist die Bedingung der Möglichkeit, eine Veränderung zu erreichen, wenn der Zustand, in dem ich mich befinde, mich einengt und mutlos macht. Und genau diese Erfahrungen haben die Jünger Jesu nach seiner Auferstehung gemacht. Enttäuscht verließen die Emmausjünger Jerusalem und Petrus und Gefährten wendeten sich wieder der Fischerei zu. Sie kehrten in ihr altes Leben zurück, als hätte es die Zeit mit Jesus nicht gegeben. Ohne ihren "Anführer" sind sie auf sich zurückgeworfen, erfüllt von der Angst, dass alles, worauf sie gesetzt hatten, Lug und Trug gewesen sein könnte. Vielleicht waren sie auch von ihm enttäuscht, denn er hatte sie nicht wie gehofft politisch und religiös befreit.

Und die Verheißung, die er ihnen gegeben hatte? Er war ja nicht mehr da. Worauf sollten sie bauen? Sie hatten alles auf ihn gesetzt. Und verloren? In dieser verzagten Ungewissheit machen sie die Erfahrung, dass der Auferstandene sie anstößt, sie aus ihrer Lethargie reißt. Er wendet ihren Blick auf ihr Inneres und die Möglichkeiten, die in ihnen selbst stecken.

Mutig der Verheißung folgen

Der Anstoß lässt sie innehalten und ihrer Erfahrung mit Jesus nachspüren. Und sie stellen sich notwendigerweise die Frage: "Aber was, wenn es doch möglich wäre, dass Jesus auferstanden ist?" Wenn es doch möglich wäre, dass Gottes Reich hier jetzt schon bei ihnen begonnen hat? Diese Frage ist die Bedingung der Möglichkeit zu erkennen, dass Jesus unter ihnen und mit ihnen lebt und diese Tatsache für sie immer realer spürbar wird, wenn sie mutig seiner Verheißung folgen und allen Menschen davon erzählen.

Die Welt gemeinsam gestalten

Und auch wir dürfen uns immer wieder neu die Frage stellen: "Aber was, wenn es doch möglich wäre, dass die Liebe in unseren Beziehungen siegt, dass wir die Welt gemeinsam zu einem Lebensraum gestalten können, in dem das Leben in Fülle keine unerreichbare Utopie, sondern eine reale Möglichkeit geteilter Hoffnungsbilder ist?" Hoffnung zu teilen bewegt mutige Veränderungen. Wolf-Dieter Wöffler (Pastoralreferent/ Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg)