Mannheim

Geburtstag Der frühere Rektor und renommierte Steuerexperte Otto H. Jacobs wird 80 / Nun wieder als Seniorenstudent im Hörsaal

Wegbereiter einer erfolgreichen Universität

Er ist wieder Student: Otto H. Jacobs, der als Lehrstuhlinhaber und Rektor fast vier Jahrzehnte die Universität ganz entscheidend geprägt hat, wird heute 80 Jahre alt – und die Schlosshochschule lässt ihn nicht los. Regelmäßig sitzt er wieder in Hörsälen, nun als Zuhörer. Im Seniorenstudium hat er Geschichte belegt.

Dass aus dem Betriebswirtschaftler von internationalem Rang nun, im Ruhestand, ein leidenschaftlicher Historiker geworden ist, haben seine Freunde vor ein paar Wochen erfahren. Da veröffentlichte Jacobs eine Broschüre, in der er – gut lesbar, mit Hintergründen – die Geschichte der 1839 gegründeten Herrengesellschaft „Räuberhöhle“ aufbereitet hat.

Dort und in seinem Rotary Club sitzt er gerne mit Freunden zusammen. Man sieht den Vater von zwei erwachsenen Töchtern und Opa von drei Enkeln, seit 52 Jahren mit seiner Frau Marianne verheiratet, aber auch viel auf dem Fahrrad oder auf dem Tennisplatz, wo er noch in der „70+ Mannschaft“ spielt.

Bei vielen Firmen gefragt

An der Universität hat man den geselligen und mit feinsinnigen Humor ausgestatteten Rheinländer in sehr guter Erinnerung. Von 1971 bis 2007 war er Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftlehre und Steuerlehre und hat mehr als 5000 Studenten zum Diplom geführt, 80 promoviert und vier habilitiert. Die meisten der Absolventen sind, wie er stolz hervorhebt, heute Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder in hohen Positionen in der Wirtschaft.

1988 wurde er zum Rektor gewählt. In zwei Amtszeiten, bis 1994, trieb er sehr weitblickend (und gegen manche Widerstände) maßgeblich all jene Entwicklungen voran, die heute zum hohen Ansehen der Universität beitragen. In sein Rektorat fiel die Gründung des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES), des Instituts für Mittelstandsforschung, der Fakultät für Technische Informatik sowie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Auch außerhalb von der Quadratestadt war Jacobs gefragt. Dass er von 1990 bis 1993 in der Sächsischen Hochschulstrukturkommission unter schwierigen Bedingungen das gesamte Hochschulsystem in Sachsen nach der Wende neu gestaltet und aufgebaut hat, darauf ist Jacobs auch heute noch besonders stolz. Am Ende seiner akademischen Laufbahn fungierte der Betriebswirtschaftler von 2003 bis 2007 als Gründungsdirektor der Mannheim Business School gGmbH, die inzwischen gemäß den internationalen Rankings zu den führenden weltweiten Einrichtungen dieser Art gehört.

Obwohl zudem als Gastprofessor an den Universitäten Toronto, Seoul, Swansea und Wien gefragt, hat sich der renommierte Steuerexperte stets als Grenzgänger zwischen Theorie und Praxis verstanden. Bei zahlreichen Firmen war Jacobs als Aufsichtsrat gefragt, darunter 21 Jahre als Vorsitzender bei Ernst & Young (EY), 20 Jahre bei Fuchs Petrolub sowie 15 Jahre als stellvertretender Vorsitzender bei der Mediengruppe Dr. Haas, wo er neben seiner hohen fachlichen Expertise gerne auch seine Verankerung in der Mannheimer Gesellschaft einbrachte.

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