Mannheim

Weihnachtsmärkte beginnen früher: Eine gute Idee?

Archivartikel

Mannheim.Zuletzt wurden die Mannheimer Weihnachtsmärkte stets am Mittwoch nach dem Totensonntag eröffnet. Das wäre der 27. November. Doch in diesem Jahr geht es – ähnlich wie in anderen Städten – schon zwei Tage früher los: am Montag, 25. November. Ist das eine gute Idee?

Pro (von Joana Rettig)

Lassen wir mal kurz die wirtschaftlichen Vorteile außer Acht und bewerten erst den Faktor Spaß: Weihnachtsmärkte sind doch toll! Wenn es kalt ist, sich Menschen dick eingepackt und zusammengekuschelt um einen Stehtisch versammeln, Glühwein oder Kinderpunsch schlürfen – da geht einem das Herz auf. Karussells und Märchenwald, überall sind Lichter, Weihnachtslieder schallen durch die Stadt, und Geschenke kann man auch kaufen. Wer kann da dagegen sein, dass die Märkte ein paar Tage früher beginnen? Das heißt doch nur: ein paar Tage länger Spaß.

Aber jetzt doch noch mal zur Wirtschaft: Heidelberg beginnt früher, Ludwigshafen öffnet schon am heutigen Mittwoch die Markt-Tore. Speyer, Schwetzingen und wie die Städte um Mannheim herum auch heißen – Weihnachtsmärkte stehen im Wettbewerb zueinander. Da geht es ums Geld, da zählt jeder Tag. Für die Budenbesitzer und auch die Veranstalter, die Standmiete bekommen. Seit Jahren bemerkt der Handel die Folgen des Online-Geschäfts. Mit diesen Märkten erhöht man den Faktor Spaß, um dem wirtschaftlichen (und weniger romantischen) Teil von Weihnachten mehr Erfolg zu bringen.

Kontra (von Steffen Mack)

Um Missverständnissen vorzubeugen: Weihnachtsmärkte sind etwas Wunderbares, und die in Mannheim selbstverständlich ganz besonders. Wieso also nicht zwei Tage früher anfangen, sind ja quasi nur ein paar Schluck Glühwein mehr? Eben darum.

Hier ein kleiner Schluck, dort noch einer, auf einen kommt es auch nicht mehr an. Wer mal zu viel Glühwein hatte, der weiß: Irgendwann schmeckt es nur noch klebrig. Und am nächsten Morgen kommt das böse Erwachen.

Klar, zwei Tage mehr sind kein Drama. Doch bundesweit gibt es die unschöne Tendenz, dass Weihnachtsmärkte immer früher beginnen und – getarnt etwa als Silvestermarkt oder „Eiszauber“ – vielerorts bis Januar gehen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Buden volle zwei Monate öffnen.

Wirtschaftlich mag das sinnvoll sein. Aber ist Weihnachten nicht noch ein bisschen mehr als Kommerz? Den Reiz dieser Märkte macht es doch auch aus, dass sie nicht alltäglich, sondern etwas Besonderes zur Adventszeit sind.

Ein Tiefpunkt kommt übrigens in drei Jahren: Dann ist die Fußball-WM in Katar, mit dem Finale sechs Tage vor Heiligabend. Die Weihnachtsmärkte werden voller Großbildschirme sein.

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