Mannheim

Zeughaus Besucher der Ausstellung „Von Pulverdampf und Schlachtidyll“ beeindruckt

„Weißes Gold“ aus alten Zeiten

Mannheim.„Im Rampenlicht der Kunstbegierde steht Porzellan derzeit sicherlich nicht“, stellte Dr. Christoph Lind, der Direktor der Kunst- und Kulturgeschichte der Reiss-Engelhorn-Museen (rem), bei der Eröffnung der Ausstellung der weltweit größten Sammlung Frankenthaler Porzellan im Museum Zeughaus fest. Dennoch sei es gelungen, gerade jetzt einen der bedeutendsten Schätze der rem der Öffentlichkeit zu präsentieren. Prof. Alfried Wieczorek, der Generaldirektor der Museen, zog einen Vergleich zu Grimms Märchen „Rotkäppchen“: „Vielleicht sollten wir lieber spielende Wölfe zeigen. Aber zu der damaligen Zeit ist ja auch die eine oder andere Großmutter verloren gegangen“, sagte der Leiter der rem augenzwinkernd mit Blick darauf, dass auf den aufgemalten Bildern viele kriegerische Szenen gemalt sind – dem damaligen Zeitgeist entsprechend. „Vielleicht wird Porzellan ja wieder einmal ,en vogue“ hofft er. Mittelpunkt der Ausstellung im dritten Obergeschoss des Zeughauses ist ein 43-teiliges Kaffee- und Teeservice, das vollständig erhalten ist. Vor zwei Jahren hat Traudl Engelhorn-Vecchiatto zu Weihnachten dieses Service dem Museum geschenkt.

Auch die Mittel, alles wissenschaftlich genau zu erfassen, hat die Mäzenin zu Verfügung gestellt. „Mit diesem Service haben sie die reiche Porzellan-Sammlung der rem im wahrsten Sinne des Wortes gekrönt“, freute sich Kulturbürgermeister Michael Grötsch anlässlich der Eröffnung. Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert, als Porzellan als Luxusgut auch als „Weißes Gold“ bezeichnet wurde. Damals entdeckten Forscher und Abenteurer fremde Länder und Kontinente. Auch exotische Waren, wie Kaffee aus dem Orient, Tee aus China und heiße Schokolade aus Südamerika erreichten das alte Europa.

Service nach 250 Jahren

Die Kannen, Tassen und Untertassen wirken fast wie neu und sind alle kunstvoll bemalt. Christian Heinrich Winterstein, einer der besten Frankenthaler Porzellanmaler, gestaltete die Motive liebevoll. Zu sehen sind kriegerische und idealisierte Bilder vom Kriegsgeschehen der damaligen Zeit. Diese so genannten Bataillen zierten im Barock – einer Zeit, in der Kriege allgegenwärtig waren – Gemälde, Grafiken und eben Porzellan.

Die Ausstellung fängt damit den Glanz der kurfürstlichen Zeit ein. Die Besucher strömten durch die Ausstellung und blieben fasziniert vor den beschrifteten Vitrinen stehen, um sich das Porzellan ganz genau anzuschauen: Ein Besucher stellte zum Beispiel begeistert fest: „Das ist schon gigantisch, dass ein Service nach 250 Jahren noch so aussieht. Alles ist so gut erhalten. Da findet sich keine Macke, nichts ist abgebrochen.“ Ein anderer, Gustav Trilsbac, ergänzte: „Das ist ja fast vollständig. Es finden sich nur wenig Gebrauchsspuren. Es ist einfach eine tolle Ausstellung.“

„Die Liebe zum Detail wird einem hier bewusst. Das ist schon ein beeindruckende Szenerie, die hier dargestellt wird. Insgesamt ist das schon eine tolle Ausstellung“, stellte Michael Himmelsbach fest, als er durch die Ausstellung zog und fast vor jedem Stück verweilte. „Mann muss hier schon ganz genau hinschauen“, stellte er noch fest.