Mannheim

Sicherheit Boris Weirauch drängt auf Ausbau der Station von Hubschrauber „Christoph 53“ in Neuostheim auf 24-Stunden-Dienst

Weiter warten auf Luftrettung in der Nacht

Archivartikel

„Irritierend“ findet Boris Weirauch das, was er jetzt aus Stuttgart erfahren hat: Die Aufwertung des Mannheimer Rettungshubschraubers zu einem 24-Stunden-Standort zieht sich weiter hin. Bislang darf „Christoph 53“ von Neuostheim aus nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang abheben – passiert nachts etwas, muss Hilfe oftmals aus anderen Bundesländern kommen.

Bereits 2011 hatte die DRF Luftrettung vor, den Standort Mannheim auf Nacht-Betrieb zu erweitern – doch entschied sich das Land für Villingen-Schwenningen. „Die Erfahrungen, die wir in Villingen-Schwenningen seither mit der nächtlichen Einsatzbereitschaft gemacht haben, sind – wie an unseren anderen neun 24-Stunden-Standorten in Deutschland auch – sehr positiv“, so eine DRF-Sprecherin. Die DRF hätte auch Interesse, von Mannheim aus rund um die Uhr zu starten. Die Entscheidung liegt aber allein beim Land.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Boris Weirauch machte daher im Herbst 2018 einen Vorstoß in Stuttgart. Im Klinikum erfuhr er nämlich, dass dort oft „Christoph Thüringen“ aus Bad Berka, Helikopter aus Nürnberg oder Gießen gerufen werden müssen, wenn nachts ein Notfall ist. Dies gilt besonders für das Institut für Neonatologie, das sich auf die Versorgung von Frühchen und lungenkranken Kleinkindern spezialisiert hat. Dabei übernimmt eine Maschine vorübergehend die Funktion der Lunge und versorgt den kleinen Körper mit Sauerstoff.

Gutachten verzögert sich

Weirauch schrieb an Innenminister Thomas Strobl (CDU) und führte ein Gespräch mit dem für den Rettungsdienst zuständigen Staatssekretär im Innenministerium, Wilfried Klenk. Die vertrösteten ihn damit, dass das Land ein Gutachten zur Lage der Luftrettung in Auftrag gegeben habe. Das sollte Ende 2019 vorliegen – war aber nicht fertig. Als neuer Termin wurde März 2020 genannt, dann kam die Corona-Pandemie dazwischen und die Zuständigen hatten dringendere Aufgaben.

Weirauch hakte daher erneut nach. „Im Lauf des ersten Halbjahres 2020“, so antwortete ihm Klenk, werde das Gutachten vorliegen – aber der Termin ist wieder verstrichen. Hatte Klenk 2018 Weirauch noch Hoffnung gemacht, Nordbaden könne einen 24-Stunden-Standort bekommen, klingt seine erneute Antwort nun deutlich zurückhaltender. Klenk schreibt, 2019 sei das Universitätsklinikum nur „weniger als zwanzig Mal“ nachts mit Neugeborenen angeflogen worden. In „ähnlicher Größe“ bewegten sich die nächtlichen Starts. „Ich finde, 40 Einsätze, in denen es um Leben und Tod neugeborener Kinder geht, eine beachtliche Zahl und belegt entgegen der Auffassung des Innenministeriums gerade die Notwendigkeit eines geeigneten Hubschraubers, der hier wichtige Unterstützung leisten könnte“, entgegnet Weirauch, selbst Vater von vier Kindern.

Er hält weiter daran fest, dass die Metropolregion einen dauerhaften 24-Stunden-Rettungshubschrauber benötigt, der Einsätze in ganz Nordbaden und darüber hinaus fliegen, aber in Mannheim stationiert werden müsse. Er würde dann ja auch bei Unfällen eingesetzt, nicht nur bei Neugeborenen, so Weirauch.

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