Mannheim

Aktion Händler kann seine Ware nicht mehr verkaufen – und verschenkt sie an Passanten, um sie glücklich zu machen

„Welch eine Freude an diesem traurigen Tag“

Archivartikel

Überall schließen die Geschäfte oder machen erst gar nicht mehr auf, zwischen Hamster- und Panikkäufen haben viele der Einkäufer am Mittwochmorgen in der Stadt Blumen in der Hand, so als wäre die Welt in Ordnung und verkaufsoffener Sonntag. „Blumen bringen Freude!“ – mit einem Strahlen verschenken die Mitarbeiter vom holländischen Blumenladen „Oranje Blumen“ ihre Ware.

„Es ist doch schön, wenn man den Menschen wenigstens noch eine Freude machen kann.“ Ein Mitarbeiter drückt den Passanten vor seinem Geschäft Tulpen, Chrysanthemen, Narzissen und Rosen in die Hand. Nicht einzelne Blumen, sondern ganze Sträuße: „Haben Sie Freude mit den Blumen und bleiben Sie gesund“, gibt er den verdutzten Passanten noch mit auf den Weg. „Und wenn die Leute Spaß mit den Blumen haben, dann sind wir auch glücklich.“

Doch eigentlich wäre dem Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, eher zum Weinen. Um 8 Uhr fuhr wie immer der Lkw mit den frischen Blumen vor sein Geschäft neben dem Kaufhof: „Wir hatten ausgeladen und aufgebaut, so wie immer, alles schön dekoriert, und als wir fertig waren, kam der Anruf vom Chef.“ Der hatte ihnen mitgeteilt, dass sie wegen der jüngsten Corona-Verordnung des Landes ab Mittwoch nicht mehr verkaufen dürfen. Auch die Türen des Kaufhof blieben an diesem Morgen verschlossen. „Wir nutzen einige Räumlichkeiten im Innern des Kaufhofs, und wenn der Kaufhof nicht öffnet, können wir auch nicht öffnen.“ Es sei ein bitterer Moment gewesen, wie er sagt, „aber deswegen die Blumen einfach wegschmeißen, das machen wir nicht.“ Also hat er mit seinen Kollegen Tausende von Blumen einfach an vorbeikommende Passanten verschenkt. Gegen 11 Uhr kommt noch ein zweiter Lkw, wieder vollgeladen mit Blumen: „Die verschenken wir auch.“

„Ich wollte die Blumen gerade bezahlen“, sagt eine Frau mit zwei Tulpensträußen, „aber er hat kein Geld annehmen dürfen.“ Die Frau fängt vor Glück an zu weinen, „welch eine Freude an diesem traurigen Tag.“ Dann wird sie still und nachdenklich: „Das sind vielleicht die letzten Blumen für dieses Frühjahr.“

„So ist das Leben“, wie der Händler etwas resigniert sagt, „ich weiß nicht, wer das alles bezahlen soll. Ich habe keine Ahnung, was noch alles kommt. Zeiten von Unsicherheit sind angebrochen.“ Er hofft, dass er bis Ostern wieder aufmachen kann, „Ostern und Muttertag sind unsere besten Tage.“ Und er hofft, dass bis dahin auch alle Mitarbeiter wieder kommen – gesund. Jetzt fährt er zurück nach Holland. „Dort ist meine Familie, dort werde ich dann viel Zeit haben, um mit meinen fünf Kindern zu spielen. Ich hoffe, ich komm’ noch nach Hause.“

Zum Thema