Mannheim

Welche Morde Polizeipräsident Stenger nicht mehr loslassen

Archivartikel

Seit 1. Mai 2019 ist Andreas Stenger Polizeipräsident in Mannheim. Über seine außergewöhnlichen Stuttgarter Dienstjahre als Leiter des Kriminaltechnischen Instituts im Landeskriminalamt zwischen 2014 und 2018 ist nicht allzu viel bekannt. Im „MM“-Podcast „Mensch Mannheim“ spricht Stenger erstmals über zwei Kriminalfälle, die ihn bis heute nicht loslassen. Es handelt sich um die Morde an einer 19 Jahre alten Freiburger Studentin im Oktober 2016 und an einer 27 Jahre alten Joggerin in Endingen in der Nähe von Freiburg im November 2016. Der öffentliche Druck auf die Ermittler war damals enorm - und die Aufklärung spektakulär.

„Das war spürbar, mit Händen greifbar, wie das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung leidet“, erinnert sich Stenger. Es habe auf alle, die mit den Ermittlungen befasst gewesen seien, einen immensen Druck gegeben, in den Fällen schnell Antworten zu finden und den Täter zu überführen. „Sofort ging sowohl medial als auch in der Öffentlichkeit um, dass hier ein Serientäter unterwegs ist. Die These sei plausibel gewesen.



„Bekomme heute noch Gänsehaut“

Doch am Ende war sie falsch. Zur akribischen Aufklärung beider Taten sagt der Polizeipräsident: „Ich bekomme da heute noch Gänsehaut.“ Die molekulargenetische Untersuchung habe in der Forensik die kriminalistische Arbeit revolutioniert. In beiden Mordfällen führte sie zum Erfolg und zur Überführung der beiden Täter. „Früher brauchte man große Spurenmengen, viel Blut oder Sperma oder Sekret. Und heute analysieren wir Hautepitelzellen. Das sind Teile von Hautschüppchen.“ Über diese Spuren kläre man heute Tötungsdelikte, „die vor Jahren niemals geklärt worden wären“.

Was Stenger bis heute an den Fällen bewegt: die Zufälligkeit, mit der die Frauen von den Tätern ausgewählt worden seien. Die Frauen seien „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen. „Man stellt sich die Frage: Was ist der Sinn dahinter?“

Um mit den psychischen Belastungen solcher Taten klarzukommen, würden ihm Gespräche mit der Familie helfen. Es sei zudem obligatorisch, dass es bei Tötungen für die mit dem Fall befassten Kräfte über einen längeren Zeitraum eine professionelle Nachbetreuung erfahren. „Das ist nicht mehr wie früher, dass man sagt, man trinkt einen zusammen und geht nach Hause und gut ist es. Sondern die Betreuung auch der eigenen Kräfte ist wesentlicher Bestandteil der Arbeit der Sonderkommissionen.“ 

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