Mannheim

Stadtbäume Seit 2013 wurden 2341 Bäume an Straßen, Plätzen und Parkanlagen entfernt / Bürger wollen mehr Grün für Mannheim

Weniger fällen, mehr pflanzen

Immer weniger Grün in den Straßen und Parks der City, immer mehr große Stadtbäume verschwinden, müssen gefällt werden, weil sie marode und nicht mehr standsicher sind, oder weil sie Bauvorhaben im Wege stehen. Die Bürgerinitiative „SOS“ Stadtbaum macht darauf mit einer Ausstellung über Reduzierung des Mannheimer Baumbestands aufmerksam, die gestern im Stadthaus N 1 eröffnet wurde.

1388 junge Bäume eingesetzt

Das Grün-Defizit, das dadurch entstand, war in den vergangenen Jahren auch an der jährlichen Baumentfernungsliste der Stadtgärtnerei abzulesen. Darin sind die Bäume aufgeführt, die an Straßen, auf Plätzen sowie in Grünanlagen aus den genannten Sicherheitsgründen gefällt werden. Immerhin: Seit einiger Zeit bemüht sich der Rathaus-Fachbereich Grünflächen und Umwelt, die Lücke zwischen notwendigen Fällungen einerseits und möglichst vielen Nachpflanzungen auf der anderen Seite zu schließen.

Seit 2016 stehen für junge Bäume deshalb jährlich 450 000 Euro zur Verfügung. Die Stadtgärtner können also, während gleichzeitig die Anzahl der Fällungen zurückgeht, mehr Bäume pflanzen. So wurden in diesem Jahr noch 46 Bäume mehr abgeholzt, als neu gepflanzt. Im kommenden Jahr soll der Baum-Saldo dann nahezu ausgeglichen werden. Vor allem in der Innenstadt können neue Bäume hohe Kosten verursachen, da häufig Ver- und Entsorgungsleitungen im Weg sind, die erst umgebaut werden müssen.

Insgesamt haben Gutachter im vergangenen Jahr 79 Baum-Standorte in den Quadraten ermittelt, die nach und nach bepflanzt werden sollen. „In Zeiten des Klimawandels bekommen die Stadtbäume eine immer größere Bedeutung“, da sie temperaturausgleichend wirken, heißt es in der Ratsvorlage zu dem Baumpflanzkonzept. 37 junge, rund drei Meter hohe Ahorn-Bäume setzte der städtische Ausbilder Markus May mit seinen Azubi-Schützlingen vom Fachbereich Grünflächen und Umwelt in dieser Woche in der Dudenstraße – Bäume, die in Zukunft für Schatten und Sauerstoff in der Stadt sorgen sollen. Den jungen Baum in den Boden zu setzen, ist allerdings nur die halbe Miete. Es komme vor allem darauf an, die Pflanzen über viele Jahre zu pflegen und zu bewässern, bis sie die ökologische Funktion eines ausgewachsenen Baumes übernehmen können, darauf weisen auch die Aktivisten von SOS-Stadtbaum hin. Ein neu gepflanzter Baum benötige in den ersten fünf bis acht Jahren bis zu zwei mal im Monat rund 200 Liter Wasser.

Nach einem Vergleich des Waldzentrums der Universität Münster sind bis zu 80 Jungbäume notwendig, um die gleiche Menge an klimaschädlichem Kohlendioxid zu speichern wie eine ausgewachsene, 80-jährige Buche. Nach Angaben des Bunds für Umwelt und Naturschutz (Bund) nimmt ein 100-jähriger Laubbaum mit seinen rund 600 000 Blättern etwa 36 000 Kubikmeter Luft am Tag auf, wobei Keime und Schadstoffe ausgefiltert werden und die Luft angefeuchtet wird.

Seit einigen Jahren baut man im Rathaus zudem ein Kataster für alle rund 85 000 Bäume an Straßen, auf Plätzen und in Grünanlagen des Stadtgebiets auf. Gut 20 000 Bäume sind darin schon erfasst, etwa 5000 sollen jedes Jahr hinzukommen. Die Standorte der seit 2014 neu gepflanzten Bäume kann man im Online-Stadtplan unter abrufen.

Info: Baumstandorte unter bit.ly/1TbAKol