Mannheim

Mobilität Bauherren müssen nur 0,8 Auto-Plätze pro Wohnung nachweisen / Abstellmöglichkeiten in drei Quartiers-Parkhäusern vorgesehen

Weniger private Stellfläche, Verzicht auf Tiefgaragen

Weniger parkende Autos am Straßenrand und auf Privatgrundstücken – ein Ziel, das die Planer für das Spinelli-Neubaugebiet unter dem Stichwort „autoarmes Wohnen“ anstreben und deswegen einen Stellplatzbedarf von 0,8 Parkplätzen pro Wohneinheit durchgängig festlegen möchten. Nur scheinbar ein Widerspruch, wie Projektleiter Jens Weisener vom Rathaus-Fachbereich Städtebau erläutert.

Denn für die Rahmenplanung geht man davon aus, dass private Haushalte in den kommenden Jahren immer weniger eigene Autos besitzen und stattdessen zum Beispiel Carsharing-Angebote nutzen. „Oder natürlich auch andere Mobilitätsangebote“, wie Weisener anfügt. Fahrrad, Elektroroller, öffentlicher Nahverkehr, autonome Shuttlebusse – Möglichkeiten – Alternativen zum eigenen Auto gibt es heute bereits eine ganze Reihe.

Doch die Überlegungen Weiseners und seiner Kollegen richten sich zudem in die fernere Zukunft: „Wir beziehen natürlich auch Entwicklungen wie das autonome Fahren in unsere Überlegungen mit ein“, erklärt er, warum das Neubaugebiet gleich drei Parkhäuser vorsieht. Zum einen könne an den Standorten rund um den neuen Quartiersplatz mittelfristig Anwohner ihre Autos abstellen, falls sich herausstellt, dass eben doch mehr als die angestrebten 0,8 Stellplätze pro Wohnung benötigt werden. Zum anderen müssen autonom fahrende Fahrzeuge ebenfalls irgendwo abgestellt werden – auch wenn ein von vielen abwechselnd genutztes autonom steuerndes Auto wesentlich seltener stehen wird, als dies unsere privaten Pkw heute in der Regel tun.

Ferne Zukunft ohne Privat-Pkw

Zudem sind beispielsweise Parkpaletten wesentlich kostengünstiger als aufwendige Tiefgaragen, die im Rahmenplan gar nicht vorgesehen sind. Werden sie eines Tages gar nicht mehr gebraucht, kann man sie leicht Umnutzen bzw. abreißen und an ihrer Stelle zusätzlichen Wohnraum schaffen. Bei einzelnen Grundstücken ist die Reduzierung des in der Landesbauordnung für Baden-Württemberg festgelegten Stellplatzschlüssels jetzt schon möglich – nämlich im nahegelegenen Neubaugebiet Franklin, ebenfalls eine sogenannte Konversionsfläche.

Wenn dort ein Bauherr nachweist, dass die künftigen Bewohner tatsächlich weniger als ein Auto pro Wohnung betreiben, dann ist im Franklin-Quartier ebenfalls die Unterschreitung der Ein-Auto-pro-Wohnung möglich. Ein Novum für Mannheim, das in anderen Städten (Darmstadt, Münster, München) bereits seit einiger Zeit praktiziert wird. Zulässig ist ein niedriger Stellplatznachweis auch, wenn sozial geförderter Wohnungsbau vorliegt, wie zum Beispiel in Regensburg praktiziert. Klar: Die Frage, „wo sollen die Leute dann parken?“ drängt sich natürlich auf. Damit Dauerparker vermieden werden, will die Stadt die öffentlichen Stellplätze bewirtschaften. In Käfertal-Süd bereits seit längerem gängige Praxis: Maximal drei Stunden dürfen Besucher hier ihr Auto abstellen.

Dass auch das Spinelli-Neubaugebiet ähnlich wie im Franklin-Quartier von Anfang an alternative Mobilitätskonzepte wie Carsharing und E-Autos für seine künftigen Bewohner bereitstellen will, versteht sich für Planer Jens Weisener bei soviel Zukunftsfähigkeit schon ganz von selbst.