Mannheim

Woche der Seelischen Gesundheit Weltweites Schwerpunktthema „Suizidprävention“ / Am Donnerstag Fachtagung

Wenn der Alltag über den Kopf wächst

Alle neun Sekunden bringt sich weltweit ein Mensch um. Mehr als 9000 Männer und Frauen, darunter auch Jugendliche, setzen allein in Deutschland jährlich ihrem Leben ein Ende. Weil häufig, aber keineswegs immer psychische Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen, hat die Weltgesundheitsorganisation zum internationalen Tag der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober das Thema „Suizidprävention “ ausgelobt. Dazu gibt es Stadthaus eine Fachtagung, die auch von Bürgern besucht werden kann – ohne Anmeldung und bei freiem Eintritt.

Ein Mannheimer Aktionsbündnis mit OB Peter Kurz als Schirmherr gestaltet zum 22. Mal in der Quadratestadt eine Veranstaltungswoche. Sie startet am Donnerstag um 9 Uhr im Stadthaus-Ratssaal N 1. Bis zum Schlusswort um 12.25 Uhr beleuchten ein Soziologe, eine Psychotherapeutin, ein Gerontologe und ein Theologe aus unterschiedlicher Sicht Möglichkeiten, Selbsttötungsabsichten zu erkennen und zu vermeiden. Es geht aber auch um Trauerarbeit nach einem Suizid.

Das Leben nach dem Versuch

Häufig werden lebensmüde Menschen rechtzeitig gefunden. Aber wie geht es nach einem Suizidversuch weiter? Helene Aumüller, Leiterin des vor 30 Jahren gegründeten Sozialpsychiatrischen Dienstes und Koordinatorin der Aktionswoche, schildert einen typischen Fall, den sie „in den Kerndaten anonymisiert“ hat. Beim ersten Gesprächstermin nach der Entlassung aus einer psychiatrischen Klinikabteilung erzählt der Mittfünfziger, er habe keinen Ausweg mehr gesehen, weil ihm der Alltag über den Kopf gewachsen sei. Mehr als ein Jahr hatte Herr Müller keine Post geöffnet, sich in seiner zunehmend verwahrlosten Wohnung ohne sozialen Kontakte verkrochen und sich wegen Geldnot nicht mehr richtig ernährt.

Ein Betreuer des Sozialpsychiatrischen Dienstes leitet gemeinsam mit Herrn Müller ein Insolvenzverfahren ein, stellt Anträge zur Lebenssicherung, sichtet gestapelte Unterlagen. Der Dienst sorgt auch für eine Grundreinigung der Wohnung, außerdem vermittelt er psycho-therapeutische Gespräche. Herr Müller wird zwar immer noch vom Sozialpsychiatrischen Dienst begleitet, hat aber inzwischen wieder alte Kontakte neu belebt und ist mittlerweile stolz auf seine Wohnung, die er in Eigeninitiative komplett renoviert hat. „Allerdings ist Suizidalität von Zeit zu Zeit immer wieder ein Thema, das ernst zu nehmen ist“, kommentiert Helene Aumüller und ergänzt: „Herr Müller versichert, dass er sich heute mitteilen würde, wenn er das Empfinden nach Ausweglosigkeit hätte“. Die erfahrene Expertin weiß aber auch: Nicht in allen Fällen lässt sich nach einem Suizidversuch eine überfordernde Lebenssituation so gut stabilisieren.

Picknick und Tanzen

Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ veranstaltet der Sozialpsychiatrische Dienst am Freitag um 12 Uhr eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Käfertaler Wald, wo ein Picknick geplant ist. Grund zum Feiern hat die Gemeindepsychiatrie – sie besteht 50 Jahre. Am Montag, 14. Oktober, gibt es im Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (K 3, 21 Raum 306) Kaffee, Kuchen und viele Infos. „Tanzen macht glücklich“ und bringt Körper samt Seele in Schwung – wer es ausprobieren möchte, hat dazu am Dienstag, 15. Oktober, von 17 bis 19 Uhr im St. Raphael Saal (B 5, 20) Gelegenheit. „Das Beste kommt zum Schluss“, heißt es auch diesmal wieder beim Fest, zu dem traditionsgemäß die Mannheimer Initiative Psychiatrie-Erfahrener, kurz MIPE, einlädt – am Freitag, 18. Oktober, von 18 bis 20.30 Uhr in die Sozialpsychiatrische Tagesstätte (J 3, 8).

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