Mannheim

Gesundheit Riesenansturm beim Auftakt der Klinikum-Vortragsreihe „Medizin für Mannheim“

Wenn die Prostata Ärger macht

Archivartikel

Die Menschentraube vor dem großen Klinikum-Hörsaal wächst – aber drinnen sind die ansteigenden Stuhlreihen samt Seitengänge bereits voll besetzt. Der Auftakt zur neuen Veranstaltungsreihe „Medizin für Mannheim“ mit Vorträgen über Prostataerkrankungen und deren Therapiemöglichkeiten erweist sich als Publikumsmagnet. Weil viele Besucher keinen Einlass finden, wiederholt die Universitätsmedizin Mannheim (UMM) den hochkarätigen wie laienverständlichen Info-Abend rund um die männliche Drüse – am Mittwoch, 5. Februar, wieder um 18.30 Uhr.

„Mit solch einem Ansturm haben wir nicht gerechnet“, kommentiert der ärztliche Direktor Hans-Jürgen Hennes und ist erleichtert, als sich die Referenten spontan zu einem Nachholtermin bereiterklären. Warum wohl der Chefurologe Maurice Stephan Michel in seinem Vortrag eine Fototafel mit Promis wie die Politiker des Gaulles und Kohl, Komiker Chaplin oder Maler Picasso zeigt? Sie alle hatten mit der Prostata Ärger, klärt der Klinikchef auf. Eine seiner Botschaften lautet: Eine gutartig vergrößerte Vorsteherdrüse macht vielen Männern im fortgeschrittenen Alter mit Beschwerden wie Harndrang, aber auch Schmerzen zu schaffen. Die häufigste urologische Erkrankung habe aber nichts mit Krebs zu tun.

Wie eine Orange geschält wird, weiß jeder. Gerade umgekehrt verhalte es sich, erläutert Oberarzt Philipp Nuhn an Hand eines Videos, wenn bei einer Schlüsselloch-OP, der sogenannten transurethralen Resektion, problematisches Gewebe mittels Laser in der Prostata abgetragen (im Volksmund: abgehobelt) wird. Anders als beim Schälen der Orange wird bei dem Eingriff das Fruchtfleisch (=Gewebe) entfernt, während die Schale stehenbleibt.

Mehr als 60 000 neue Kranke

Seit Jahren gilt das Prostatakarzinom als häufigster Krebs bei Männern – allein in Deutschland mit jährlich über 60 000 Neuerkrankungen. Michel setzt sich vehement für PSA-Tests zur Früherkennung ein. Viele (Männer-)Hände schnellen in die Höhe, als der Mediziner wissen will, wer „seinen“ speziellen Wert als Hinweisgeber kennt. Immer wieder betont der Urologe: „Prostatakrebs ist nicht gleich Prostatakrebs!“ Es gelte herauszufinden, ob es sich um eine aggressive oder milde Form handelt. Zum Veranschaulichen der beiden Bio-Varianten zeigt er ein Hauskätzchen und eine kleine Raubkatze: Beide sind zwar verwandt, entwickeln sich aber höchst unterschiedlich

Wie mit einem bildgebenden Verfahren, der sogenannten multiparametrische Magnetresonanztomographie, bösartiges Prostatagewebe zum Leuchten gebracht und damit zielgenau (beispielsweise für Gewebeproben) aufgespürt werden kann, erläutert Radiologie-Chef Stefan Schönberg, der diese Methode mitentwickelt hat. Was Hightech-Strahlentherapie zu leisten vermag, vermittelt der kommissarische Klinikchef Frank Giordano. Und staunendes Raunen geht durch den Hörsaal, als ein von dem Urologen Patrick Honeck kommentiertes Video dokumentiert, wie mit Assistenz des OP-Roboters „Da Vinci“ Prostatawucherungen entfernt werden.

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