Mannheim

Mode „Unten ohne“-Trend auch in diesem Winter sehr beliebt / Nackte Knöchel erhöhen das Erkältungsrisiko aber nicht

Wer cool sein will, muss frieren

Auf den Straßen sorgt das Bild im Winter immer wieder für ungläubige Blicke und Kopfschütteln: Junge Menschen sind oben dick eingepackt in Daunenjacke, Schal und Mütze. An den Füßen tragen sie aber nicht etwa warme Lammfellstiefel, sondern luftige Sneakers, also sportliche Alltagsschuhe. Stilecht werden sie bei Wind und Wetter nur mit hochgekrempelten oder verkürzten Hosenbeinen und ohne, allerhöchstens noch mit kurzen, nicht sichtbaren Sneakersocken, getragen. Flanking, zusammengesetzt aus dem Englischen „flashing“ (blitzen lassen) und „ankle“ (Knöchel), nennt sich der Trend, der im Winter genauso beliebt ist wie im Sommer.

„Das Besondere an Flanking ist die Tatsache, dass es das ganze Jahr über eine Rolle spielt“, sagt Philipp Kehrer, Geschäftsführer der Modeschule Kehrer in Mannheim. „Ursprünglich entstanden ist es bei Jugendlichen und dann übergegangen zu den jungen Erwachsenen“, erklärt er. Bis Flanking auch in der breiten Masse seine Akzeptanz gefunden habe, hätte es aber seine Zeit gedauert.

Seine Anfänge hatte der Trend vor vier Jahren, und mittlerweile sind die nackten Knöchel nicht mehr von den Straßen wegzudenken. Der Verzicht auf dicke Wollsocken ist für viele Außenstehende nicht zu verstehen. Dass der Trend eine Liebeserklärung an einen ganz besonderen Schuh ist, verstehen eben nur Gleichgesinnte. „Es geht darum, dem Sneaker die volle Aufmerksamkeit zu geben“, erklärt Kehrer, warum die Hosenbeine oben und die Socken unten bleiben müssen. Ursprünglich kommt der Begriff Sneakers von dem Englischen „to sneak“ (schleichen) und ist ein Sammelbegriff für Sportschuhe aller Art. Der Sneaker mache seinen Träger „aktiv, jung, trendy und sportlich“, so der Modeexperte. „Dafür muss man den Schuh dann aber auch bemerken, und das funktioniert eben mit hochgekrempelten Hosenbeinen und nackten Knöcheln besser als mit Karosocken und langen, weiten Hosen“, erklärt Philipp Kehrer den Sinn hinter Flanking.

Risikofaktor kalte Füße

Ein entscheidender Grund für die weite Verbreitung des Modephänomens ist seine enorme Wandlungsfähigkeit. Sneakers gibt es mittlerweile in vielen Varianten. Von sehr sportlich über hochwertig, fein und teuer findet jeder eine Variante nach seinem Geschmack. Flanking ist bei Frauen und Männern gleichermaßen beliebt.

Doch sind die entblößten Knöchel im Winter wirklich so gefährlich wie Mütter und Großmütter ihren Nachkommen weißmachen wollen? „Für das Erkältungsrisiko ist es nicht entscheidend, ob die Knöchel frei liegen, sondern ob die Füße dabei auskühlen und wie es um das eigene Immunsystem steht“, erklärt Nadine Schulte, geschäftsführende Oberärztin der II. medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim. Wer ein starkes Immunsystem habe und sich bei winterlichen Temperaturen wohlfühle, müsse sich nicht zwingend „wie ein Eskimo“ einpacken. Das Immunsystem könne zum Beispiel durch Kälte, Stress, chronische Krankheiten, zu wenig Bewegung, Schlaf oder frische Luft geschwächt sein. Kalten Füßen sollten aber auch Turnschuhliebhaber entgegenwirken, denn es sei erwiesen, dass diese „grippale und Harnwegsinfekte begünstigen“.

Kaputte Hosen auch bei Kälte

Ein weiterer Modetrend, der im Winter ebenso unpraktisch wirkt, ist die sogenannte destroyed (aus dem Englischen: zerstörte) Jeans. Das sind Jeanshosen, die im Oberschenkel- oder Kniebereich große Löcher haben. Doch auch bei den kaputten Hosen gilt: Hauptsache die Füße sind warm.

Ob Luftzug durch die kaputte Hose oder Freiheit für die Knöchel, für alle Modebegeisterten scheint es nach wie vor nur ein Motto für die kalte Jahreszeit zu geben: Wer cool sein will, muss frieren – und die irritierten Blicke der anderen ertragen.