Mannheim

Neuordnung Ab kommendem Jahr müssen sich angehende Abiturienten auf ein neues Kurswahl- und Prüfungssystem einstellen

Wer wiederholt, hat Probleme

Für die aktuellen Abiturienten ist das Thema durch. Aber diejenigen, die im kommenden Schuljahr in die elfte Klasse und damit in die entscheidende Phase kommen, zerbrechen sich den Kopf über die Oberstufenreform, die das Land Baden-Württemberg ab dem Herbst 2019/20 umsetzen will.

Eigentlich sind die künftigen Elftklässler davon ja gar nicht mehr betroffen. Aber für den Fall, dass sie in zwei Jahren ihre Abiturprüfungen verhauen oder die Ziele der zwölften Klasse nicht erreichen sollten, haben sie ein großes Problem. Sie müssten im Wiederholungsfall in ein komplett neues System zurückwechseln.

„Das finde ich persönlich sehr problematisch“, sagt Thilo Dieing, Sprecher des im April gegründeten Stadtschülerrats. Der Ursulinen-Gymnasiast hält eine Wiederholung der Klasse in diesem Fall für kaum machbar. Schließlich seien die Schüler von der fünften Klasse an auf das derzeitige System vorbereitet worden.

„Das ist in der Tat ein großes Problem, das noch geklärt werden muss“, sagt Gerhard Weber vom Moll und zugleich geschäftsführender Schulleiter für die Mannheimer Gymnasien: „Ich weiß auch nicht, wie man dann verfährt.“ Er erinnert sich aber daran, dass es beim Wechsel vom neun- auf das achtjährige Gymnasium eine vergleichbare Diskussion gab. Damals habe sich das Thema erledigt, weil „praktisch niemand sitzengeblieben“ sei.

Leitfaden liegt noch nicht vor

Allerdings wäre ja auch denkbar, dass Schüler mit mehreren Unterkursen in der elften Klasse sich für eine freiwillige Wiederholung des Schuljahrs entscheiden. Dann wechselten sie praktisch in die Startphase des neuen Systems. „Das wäre der bessere Ansatz“, sagt Weber.

Was die generelle Umsetzung der Reform angehe, hänge man derzeit allerdings ziemlich in der Luft. Das Kultusministerium habe für den Herbst dieses Jahres einen Leitfaden angekündigt, mit dem die Schulen und Lehrer sich vorbereiten sollten. Aber solange der nicht vorliege, könne man nicht loslegen. Weber erwartet, dass das Thema bei der ersten Sitzung der Gymnasialleiter nach den Ferien, im Oktober, eine große Rolle spielen werde.

Unzufrieden ist er mit der vom Land genannten personellen Ausstattung. 65 neue Lehrer „auf das ganze Land gerechnet, das wird nicht reichen“, sagt er und mahnt eine Aufstockung an. Unterstützung erhält Weber von Thorsten Papendick, dem Vorsitzenden des Mannheimer Gesamtelternbeirats (GEB). Die zugesagte Aufstockung reiche nicht, allein der Aufwand für künftig zwei mündliche Prüfungen sei erheblich.

Auch Papendick moniert, dass das Kultusministerium bislang nur wenig Konkretes mitgeteilt habe. Insbesondere, was die Wiederholung des Abiturs im Jahrgang vor der Reform angehe, wisse das Land wohl selbst noch nicht so genau, wie das funktionieren solle.

Abgesehen von solchen Problemen kann Thilo Dieing der Reform durchaus positive Seiten abgewinnen. Dass Mathematik nicht mehr zwingend schriftlich geprüft werden müsse, sei eindeutig ein Vorteil – ebenso die zwei mündlichen Prüfungen. Denn sie bereiteten die Schüler „mehr aufs Arbeitsleben vor“, wo sie Projekte auch vorstellen und vertreten müssten. Für kritisch hält er allerdings die Null-Punkte-Regelung: Wer in einem Prüfungsfach null Punkte hat, fällt durch.