Mannheim

Workshop Vierte Amtszeit von Merkel prognostiziert

Wer zieht ins Kanzleramt?

Thomas Gschwend, Professor für quantitative sozialwissenschaftliche Methoden und Projektleiter am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES), stellte beim Wissenschaftsprogramm das sogenannte Kanzlermodell vor und war sich, vor der entscheidenden Wahl in knapp zwei Wochen, bei einem Punkt ganz sicher. "Es wird eine Bundeskanzlerin werden."

Seit 2002 berechnet er zusammen mit Professor Helmut Norpoth (Universität Stony Brook, New York) den wahrscheinlichen Erfolg oder Misserfolg der Regierungsparteien. Dabei spielen für die Politikwissenschaftler drei Faktoren die wichtigste Rolle: der langfristige Wählerrückhalt der Regierungsparteien, berechnet aus den letzten drei Bundestagswahlen, die Kanzlerunterstützung, also die Popularität des Kanzlers im Vergleich zum Herausforderer, und der sogenannte Abnutzungseffekt. Letzterer bezieht sich auf den Stimmenverlust von Regierungsparteien während der Amtszeit. "Wer lange an der Macht ist, muss mit einem Stimmenverlust rechnen", sagt Geschwend. Dass dies im Fall von Angela Merkel und der Union keinen Einfluss auf die Mehrheit der Stimmen haben wird, liegt laut Gschwend an der hohen Popularität der Kanzlerin. "Merkel hat aktuell Zustimmungsraten von 65 Prozent. Damit ist sie populärer, als es Kohl oder Schröder jemals waren." Die Zahlen basieren auf Politbarometer-Umfragen von Juli und August.

Schwarz-Gelb laut Prognose vorn

Mit diesen Faktoren errechnet der Politikwissenschaftler einen Zweitstimmenanteil von etwa 49,4 Prozent für Schwarz-Gelb. Ein Teilnehmer fragt: "Woher kommt die Popularität von Merkel? Die hat doch schon so viele U-Turns (Kehrtwendungen, Anm. d. Red.) gemacht." "Dass sich in diesem Wahlkampf viel um Krisen dreht, spielt Merkel in die Hand. Im Vergleich zu Trump oder Erdogan wirkt sie besonnen", sagt Gschwend. Zudem sei eine solide wirtschaftliche Ausgangslage für Amtsinhaber ebenfalls gut. "Also sicher ist nur Merkel?", will eine ältere Frau wissen. "Die ist gekommen, um zu bleiben", meint Gschwend. gbr