Mannheim

Empfang Evangelische Kirche betont Bedeutung von Ökumene und interreligiöser Zusammenarbeit

„Werden die Stimme erheben“

Archivartikel

„Die Evangelische Kirche richtet den heißesten Jahresempfang der Stadt Mannheim aus“, begann Dekan Ralph Hartmann seine Rede. Bei der Johannis gewidmeten Begegnung dürften so manche Besucher kühlendes Wasser des Täufers herbeigesehnt haben. Die Innenstadt als Glutofen hin, Schwitzen her – im M 1-Domizil herrschte gleichwohl drangvolle Enge.

Beim „Familienfest“, so der Hausherr, versammelten sich Vertreter von Religionsgemeinschaften, Stadtgesellschaft und Politik, um über Gott und die Welt zu reden. „Wir werden vor Ort in den Gemeinden präsent bleiben“, betonte er in seiner Begrüßung. Einem roten Faden gleich zog sich durch seine „Impuls“-Ansprache: Kirche sehe sich als Mitgestalter des Sozialwesens. „Wir werden auch kommunalpolitisch die Stimme erheben – nicht für Parteien, sondern für unsere Grundwerte.“ Zu seinen Botschaften gehörte das Bekenntnis zur Ökumene. Hartmann sprach von „evangelischen und katholischen Geschwistern“. Am Herzen liege ihm ebenfalls interreligiöse Zusammenarbeit. Die soll erneut am 25. September zelebriert werden, wenn Christen, Juden und Muslime gemeinsam zum Gastmahl unter freiem Himmel einladen.

„Das Miteinander fordert heute ganz anders heraus“, erklärte Oberbürgermeister Peter Kurz, der nach einem Brüssel-Aufenthalt direkt vom Flughafen zum Johannis-Empfang kam und schon bald wieder zu einer UNESCO-Abendveranstaltung rund um das Menschheitserbe abdüsen musste. Ihm sei wichtig, der Evangelischen Kirche – hauptamtlichen Mitarbeitern wie den vielen Ehrenamtlichen – für ihren Einsatz zu danken, ob bei Aktionen oder im Alltag. Man sei hier „unter Freunden“, hob der katholische Dekan Karl Jung hervor. Angesichts von Verbalattacken im Internet – ausgelöst durch die Weihe der Ökumeneglocken bei St. Pius – rief er den Gästen zu: „Wir lassen uns vom Weg der Ökumene nicht abbringen!“ Beifall brandete auf. Als Geschenk überreichte er seinem Dekan-Kollegen ein Glöckchen, das symbolisch geläutet werden solle, wenn bei schwierigen Debatten eine kurze Besinnung angebracht sei.

Freude über Kieselgrund-Erfolg

Mit viel Applaus wurde das Team des Eltern-Kind-Zentrums Kieselgrund bedacht: Die evangelische Einrichtung aus Mannheims kinderreichstem Stadtteil Hochstätt hat beim Deutschen Kita-Preis 2019 den zweiten Platz belegt – und das unter 1600 bundesweiten Bewerbern (wir berichteten). „Wir sind stolz“, würdigte Synodenvorsitzende Hannelore Dänzer. Zu dem prämierten Konzept gehören Parlament und Sprechstunde – „weil unsere Kinder erleben sollen, dass sie eine Stimme haben und auch gehört werden“, erläuterte Leiterin Claudia Hauschild.

Zu dem von Petra und Werner Herr (Vogelstang-Gemeinde) servierten Köstlichkeiten in der Innenhof-Oase gab es „Popcakes“ der musikalischen Art – vom gleichnamigen Duo der Popakademie.