Mannheim

Geistliches Wort

Wille Gottes

Wie gerne wäre ich doch …! Sicherlich ist Ihnen dieser Satz vertraut und Sie sind leicht in der Lage ihn für sich zu vollenden. Bei mir würde der Satz heute so lauten: „Wie gerne wäre ich doch mit den Männern auf dem Jakobusweg im Elsass unterwegs!“ Ja, es war für mich als Männerseelsorger des Dekanats Wiesloch geplant, in diesen Tagen mit zehn Männern auf dem Jakobusweg zu pilgern. Gebet und Schweigen, biblische Texte und persönliches Gespräch hätten uns begleitet. Die Corona-Krise hat nun dazu geführt, dass dieser Weg sicherheitshalber schon vorzeitig abgesagt wurde.

Auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, haben in den vergangenen Wochen auf vieles verzichten müssen und müssen es noch. „Wie gerne wäre ich doch…!“

Unsere Planungen und persönlichen Ziele, welche wir erreichen müssen, sind uns allzu oft unheimlich wichtig. Es fällt uns schwer davon zu lassen und offen zu werden für Alternativen. Ja, vielleicht sogar offen zu werden für den Plan eines Anderen; für den Plan Gottes mit mir und meinem Leben. Jesus Christus hat uns vorgemacht, was das bedeutet oder bedeuten kann. Er hat sich ganz auf den Willen des Vaters im Himmel eingelassen. Sogar im Angesicht des Todes konnte er sagen: „Nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille, Vater!“ So hat ihn Gott nach seinem Leiden und Sterben vom Tod auferweckt und in seine Herrlichkeit aufgenommen. Vorgestern, an Christi Himmelfahrt, hat die Kirche dieser Aufnahme Jesu in den Himmel gedacht.

Jesus zeigt es uns überdeutlich, was es heißt, sich auf den Willen Gottes einzulassen, und im Gebet des Vaterunsers hat er dies auch für unser Beten ins Wort gebracht: „Dein Wille geschehe!“ Doch was heißt das: „Der Wille Gottes!“?

Lassen Sie mich einige Gedanken von Romano Guardini aufgreifen, welche er in seinem Büchlein „Vom lebendigen Gott“ (TOPOS Taschenbuch: ISBN 3-7867-0855-X) ausführt, und mit meinen Worten wiedergeben: Der Wille Gottes ist einfach das, was geschehen soll. Mit dieser Welt und mit mir. Der Wille Gottes ist die Vollendung der Schöpfung und die Vollendung meines Lebens im Guten. Er geschieht in einer großen Freiheit. Innerlich spüren wir oft, was wir tun sollten, was gut und richtig wäre. Immer wieder gelingt es uns nicht, dies umzusetzen. Da ist es schön zu wissen, dass der Wille Gottes auch immer ein Weg ist. Wenn ich seinem Willen nicht gerecht wurde, gibt es immer ein Danach, was mir wieder die Möglichkeit gibt, mich zurück in die Spur des Willen Gottes zu bewegen. Auch wenn jetzt völlig neue Voraussetzungen bestehen. Der Wille Gottes ist also nichts Fertiges, sondern er entwickelt sich immer weiter. Der Wille Gottes wird so zum Weg, zum Lebensweg auf dem ich pilgere, bis zu meinem Tod. Gott geht diesen Weg mit, schenkt Kraft zur Umkehr, wenn sein Wille aus dem Blick gekommen ist und sieht liebend auf uns. Es lohnt sich also zu bitten, dass sein Wille geschehe und ich ihn erkennen darf. Manchmal vielleicht erst in der Rückschau auf das Geschehene. Der Wille Gottes, er ruht in uns, möchte einbezogen werden in unser Leben.

Hin und wieder braucht es äußere Zeichen, die uns daran erinnern. Mag sein, dass uns eine Situation wie die Corona-Krise zu diesem Nachdenken einlädt und uns vom „Wie gerne wäre ich doch…“ zum „Dein Wille geschehe!“ führt.

Thomas Walter, Gemeindereferent Seelsorgeeinheit Leimen-Nußloch-Sandhausen und Männerseelsorger Dekanat Wiesloch

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