Mannheim

Umwelt Auf Franklin eröffnet das Zentrum für globales Lernen in neuen Räumen - es thematisiert Konsequenzen unseres Lebensstils

"Wir bräuchten drei Erden"

Vor den Fenstern laufen Beispiele für nachhaltiges Wirtschaften über den Rasen: Schafe knabbern vor den Räumen des Zentrums für globales Lernen das Gras kurz, ein Ressourcen fressender Motormäher ist damit überflüssig. Am Samstag sind jetzt die drei Seminarräume und das Büro in einer ehemaligen Schule auf dem früheren Kasernengelände Benjamin Franklin offiziell eröffnet worden. Bisher gab es für die Organisation nur ein Büro im Eine-Welt-Forum.

Bildungsreferentin Kristina Gruß erläuterte in ihrer Rede vor rund 50 geladenen Gästen die Arbeit des Zentrums: Zum einen gibt es Bildungsangebote für Lehrer und andere Multiplikatoren, zum anderen Workshops für Jugendliche und Kinder. Auf Nachfrage erklärte sie, dass es darin beispielsweise um Smartphones gehe, "von der Mine für die Rohstoffe bis zum Recycling". Die Seminare behandeln nicht nur ökologische Auswirkungen der Produktion, auch Soziales wie Konflikte wegen der Rohstoffe oder schlechter Arbeitsverhältnisse in Asien werden besprochen. "Wichtig ist die Reflexion der Jugendlichen zur eigenen Handynutzung", betonte Gruß. Auch bei anderen Themen wie der Textilproduktion gehe es um Soziales und Ökologisches.

Das Zentrum hat für seine Arbeit mehrere Kooperationspartner wie die Klimaschutzagentur, Ökostadt Rhein-Neckar und den Weltladen. Weitere werden gesucht. Kristina Gruß betonte, dass das Thema nachhaltige Entwicklung in den Bildungsplan des Kultusministeriums aufgenommen wurde: "Die Relevanz ist stärker geworden, das finden wir toll!"

Impulse für das Quartier erwartet

Ariane Fröhlich, Bildungsreferentin vom Eine-Welt-Zentrum Heidelberg, erläuterte, wieso ökologisches Handeln so dringlich ist: Aktuell werden sozusagen Ressourcen von 1,6 Erden verbraucht. "Würden alle so leben wie in Deutschland, wären es drei Erden." Im Rahmen der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen müsste hierzulande die Wirtschaft umgebaut werden und in der Politik die Menschenrechte ins Zentrum rücken - zum Beispiel beim Waffenhandel.

Gemeinderat Raymond Fojkar (Grüne) sprach im Namen des Gremiums und der Stadtverwaltung. Zeitpunkt, Ort und Perspektiven seien passend für das Zentrum für globales Lernen. "Alle globalen Konflikte haben wir auch lokal", sagte Fojkar. Im Benjamin-Franklin-Village gehe es etwa um schönes oder preiswertes Wohnen und Rücksicht auf die Natur. Die Stadt wolle den Prozess unterstützen, damit sich bei den Menschen ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln entwickle.

Auch Lea Schmitt, bei der städtischen MWS Projektentwicklungsgesellschaft für "Strategie und Beteiligung" auf Franklin zuständig, freute sich über den Einzug der Organisation in die ehemalige Schule: "Von Ihnen gehen Impulse für das Quartier aus", so Schmitt.

Bei der offiziellen Einweihung gab es auch einen Liedbeitrag: Esther Schünemann, Schülerin am Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium, hat ihren Eine-Welt-Song gesungen - sie hat ihn auch komponiert und per Software die Musik gemacht. Darin geht es um den Kontrast zwischen Kindern in Industrieländern mit Luxusproblemen und denen in armen Ländern, die nicht mal fließend Wasser haben. Schünemann fordert dazu auf, zu helfen.