Mannheim

Katholiken Kirchen-Aktion „Maria 2.0“ plant Donnerstagsgebet auf dem Schillerplatz gegen männliche Ignoranz

„Wir Frauen wollen Macht!“

Es soll nicht lange dauern, vielleicht 15 Minuten – aber ein deutliches Zeichen sein: „Maria 2.0“, die bundesweite Aktion für Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche, lädt Christinnen zu einem „Donnerstagsgebet“ am 10. Oktober um 19 Uhr am Denkmal für die „Trümmerfrauen“ auf dem Schillerplatz ein. Es ist die zweite große Aktion seit dem Kirchenstreik vor der Jesuitenkirche und dem alternativen Gottesdienst im Mai.

Gottesmutter als Ikone

130 Leute seien damals dabei gewesen, auch Männer, berichtet Gabriele Landler, Leiterin der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) und Koordinatorin von „Maria 2.0“ in der Quadratestadt. „Mit nur 30 haben wir gerechnet, es war richtig schön!“, so Landler. Viele Frauen hätten auch den Brief an den Papst unterzeichnet, der schärfere Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal fordert.

Die bundesweite Bewegung von Frauen in der römisch-katholisch Kirche, die regelmäßig Gebete und Demonstrationen organisiert, richtet sich gegen Klerikalismus in der Kirche, fordert den Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, eine umfassende Aufklärung des Missbrauchsskandals und die Aufhebung eines verpflichtenden Zölibats.

Die Ikone der Bewegung ist das Porträt der Gottesmutter Maria, deren Mund mit Klebeband verriegelt ist – aber die Bewegung möchte sich von der Idee der schweigenden und nur dienenden Frau verabschieden.

Schon seit Juli dieses Jahres beten Frauen der Seelsorgeeinheit St. Martin im Südosten Mannheims jeden ersten Donnerstag im Monat das „Donnerstagsgebet“, eine Initiative von Schweizer Benediktinerinnen. Weitere Aktionen habe es wegen der Sommerpause und dem Semesterbeginn bisher nicht gegeben, so Landler.

„So richtig sind wir in Mannheim bisher nicht formiert, aber wir gehen jetzt in die nächste Runde und wollen aktiver werden“, kündigt sie an.

Trotz des Herbstwetters habe sie sich für ein Gebet unter freiem Himmel entschieden, „denn ich will keinen Mann fragen müssen, ob wir in seine Kirche dürfen“, erklärt sie. „Durch das Gebet bekennen wir, dass wir für eine wirkliche Reform der Kirche dringend auf Gottes Geisteskraft angewiesen sind. Nur sie kann die Gedemütigten ermächtigen und die Mauern der Ignoranz einreißen“, betont Landler. „Wir Frauen wollen Gerechtigkeit und ja: Macht“, bekräftigt sie. Aber letztlich gehe es nicht um unser persönliches Wohlbefinden, „sondern um unsere Kirche, die in Trümmern liegt“, kritisiert sie: „Wir möchten die Kirche wieder in einen lebenswerten Ort verwandeln. Das geht nicht ohne die Talente, Perspektiven und Stimmen von uns Frauen“, so Landler.

Im Anschluss an das Gebet treffen sich alle Interessierten, um sich kennenzulernen und weitere Aktionen zu planen, im Café Journal am Marktplatz. Zudem organisiert derzeit der Arbeitskreis „Frauen in Leitungsverantwortung“ des Stadtdekanats einen Frauenkirchenkongress, der am Freitag, 15. November, ab 16.30 Uhr im Bildungszentrum St. Clara in A4, 1 stattfindet.

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