Mannheim

Fleischversorgungszentrum Vier Großhändler und zwei Geschäftsführer der ehemaligen Schlacht-Service GmbH wollen Mannheimer Schlachtbetrieb neu starten

„Wir möchten Qualität produzieren“

„Ich war nie dafür, dass der Mannheimer Schlachthof geschlossen wird“, bekräftigt Dieter Krauß, Obermeister der Fleischer-Innung Mannheim-Heidelberg, nachdem gestern die Nachricht bekannt wird, dass es bald wieder einen Schlachtbetrieb in Mannheim geben soll. Dieser soll ab Juni auf dem Gelände der Fleischversorgungszentrum Mannheim GmbH (FVZ), eine mittelbare Tochtergesellschaft der Stadt, wieder in Betrieb gehen. Betreiber soll die „Regio Schlachthof GmbH Mannheim“ werden, ein Zusammenschluss von drei Fleischgroßhändlern aus Mannheim – der Lutz OHG, der Firma R. Hess und der Hermann Fuchs OHG – der Großmetzgerei Krug aus Gaggenau-Ottenau sowie den zwei Geschäftsführern der ehemaligen Schlacht-Service GmbH Mannheim, Michael Hocker und Willi Schneider. Das seit 1983 bestehende FVZ hatte mit dem Schlachten im Fahrlachbetrieb zuletzt regelmäßig Verluste eingefahren, bis der Schlachtbetrieb schließlich im August vergangenen Jahres eingestellt wurde.

Krauß, Sprecher für 38 selbstständige Fleischer im Rhein-Neckar-Kreis, begrüßt den Neustart des Schlachthofes: „Es ist schade, wenn immer mehr Schlachtungen in großen Schlachthöfen zentralisiert werden. Ich finde es gut, dass die Bauern der Region jetzt wieder die Möglichkeit haben, kurze Wege zu fahren und die Tiere im Sommer nicht mehr drei, vier Stunden durch die Gegend gefahren werden müssen.“ Die Wichtigkeit einer regionalen Schlachtung hebt auch Dirk Schwan von der Firma Fuchs OHG, einer der vier Hauptgesellschafter, hervor. „Die angesiedelten Fleischbetriebe auf dem Schlachthof Mannheim sind auf die frische Schlachtung angewiesen, um ein Alleinstellungsmerkmal zu haben.“ 2100 Schweine sollen demnach wöchentlich vor Ort geschlachtet werden. Seit der Schließung des Schlachthofs müssen Fleischereibetriebe auf Schlachthäuser in Alzey in Rheinhessen, Mosbach, Zweibrücken, Aschaffenburg oder auch Brensbach im Odenwald ausweichen.

Für Gesellschafter Schwan ist klar, was sich künftig ändern soll. „Wir werden auf keinen Fall mehr so groß werden. Unser Ziel ist es, zu Spitzenzeiten maximal 3500 Schweine in der Woche zu schlachten.“ Er ergänzt: „Wir möchten Qualität produzieren. Und deswegen ist weniger sicherlich mehr.“ Zudem möchten die Betreiber nur noch ein „reinrassiger Schweineschlachthof“ sein.

Im Schlachthof waren zuletzt 22 Mitarbeiter beschäftigt. Fünf ehemalige Mitarbeiter des Fleischversorgungszentrums und bis zu zwölf sogenannte Lohnschlächter der ehemaligen Schlacht-Service GmbH sollen nun weiter beschäftigt werden. Kommende Woche soll der Pachtvertrag mit dem Fleischversorgungszentrum Mannheim unterschrieben werden. Er ist zunächst auf sechs Jahre befristet. Um die Kriterien des Regierungspräsidiums für einen Schlachtbetrieb zu erfüllen, darunter unter anderem das „berührungsfreie Schlachten“, seien nach Angaben von Schwan Investitionen im sechsstelligen Bereich erforderlich.

Zum Thema