Mannheim

Technoseum Sanierung kostet mindestens 2,5 Millionen Euro / Vereine fordern Erhalt und neues Ausstellungskonzept

Wohin mit dem Museumsschiff?

Archivartikel

Mannheim.„Ich habe dieses Geld schlichtweg nicht!“ Mit dieser Aussage wird Hartwig Lüdtke, seit 2006 Direktor des Technoseums, am Mittwoch den Stiftungsrat seines Hauses konfrontieren. Dort steht das Museumsschiff auf der Tagesordnung. Sein Erhalt am jetzigen Standort würde 2,5 Millionen Euro kosten.

Das seit 1986 an der Kurpfalzbrücke liegende größte Exponat des Museums wird ab 1. Dezember leer geräumt, denn es muss turnusgemäß zum „Schiffs-TÜV“ auf die Werft (wir berichteten). Das ist alle zehn Jahre fällig, „und dafür haben wir auch Rücklagen gebildet“, so Lüdtke.

Er rechnete mit etwa 500 000 Euro. „Aber es wird erheblich teurer, wohl zwei Millionen Euro, denn es sind einige grundlegende Erneuerungen nötig, etwa am Rumpf und am Dach“, so der Direktor. Dazu kommt, dass alle 30 Jahre eine neue Liegegenehmigung fällig wird. Dafür gebe es neue, schärfere Auflagen für eine Absicherung des Museumsschiffs zur Fahrrinne des Neckars hin, etwa durch Dalben. „Das sind weitere Kosten von mindestens 500 000 Euro, und da liegt das Problem“, so der Museumsdirektor, der über einen Gesamtetat von 11,6 Millionen Euro verfügt.

Nach seinen Angaben ist die Zukunft des Museumsschiffs „offen“. Er habe „noch keinen konkreten Vorschlag“, den er dem Stiftungsrat unterbreiten könne – endgültige Entscheidungen würden am Mittwoch daher wohl nicht gefällt. Ohnehin stehe erst der Werftaufenthalt an. Wie und wohin das Schiff zurückkehrt, müsse dann in den nächsten Monaten geklärt werden.

„Ein technisches Denkmal“

Für Lüdtke handelt es sich „unstrittig um ein technisches Denkmal“. „Von einer Verschrottung redet daher niemand“, versichert er. Nach seiner Ansicht müsse das Exponat „erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich bleiben“. Doch was Standort und Trägerschaft betreffe, habe man „noch keinen Königsweg gefunden“. Geprüft werde die Abgabe an andere Museen, wobei zwei Häuser schon abwinkten, sowie eine Positionierung an Land. Dabei verschweigt Lüdtke nicht, dass er zwar „ein großer Freund“ des Museumsschiffs sei. Beim Land – neben der Stadt zu zwei Dritteln Träger des Museums – sehe man das Exponat aber „schon immer kritisch“.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Boris Weirauch hat sich daher an die Staatssekretärin im Wissenschaftsministerium, Petra Olschowski, gewandt und sie aufgefordert, sich für eine Rückkehr des Museumsschiffes stark zu machen. Nach ihrer Antwort ist die Verlängerung der wasserrechtlichen Genehmigung „schwieriger als gedacht“. Es gebe „intensiven Sanierungsbedarf“, aber „noch keine konkreten Pläne“. Bei den Beratungen würden die „kulturelle Bedeutung des Schiffs für das Binnenschifffahrtswesen“ ebenso wie „die finanzielle Belastbarkeit des Technoseums eine Rolle spielen“.

„Natürlich will keiner, dass das Technoseum von den Kosten des Unterhalts erdrückt wird und keine Luft mehr für Sonderausstellungen hat“, sagt Thomas Hartmann, Vorsitzender des Mannheimer Schifffahrtsvereins. Er hat indes „den Eindruck, dass man ein ungeliebtes Kuckucksei gerne loshaben möchte“. Die Verträge verpflichteten das Land aber zum Erhalt für museale Zwecke.

Der Verein plädiere „von ganzem Herzen für einen Erhalt des Schiffes“: „Es ist letztendlich auch unser Baby und das Baby vieler Mitglieder“, verweist er darauf, dass in den Aufbau von Schiff und Museumsufer über 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden, die private Modellschiffsammlung und mehr als eine Million Euro Privatvermögen gesteckt worden seien. „Ein frisches Ausstellungskonzept für das Museumsschiff fehlt allerdings seit langem“ beklagt Hartmann: „Würde man hier investieren, würden sicher auch die Besucherzahlen wieder steigen.“

Ein neues Ausstellungskonzept fordern ebenso Barbara Ritter und Veit Lennartz vom Verein Rhein-Neckar-Industriekultur und Helen Heberer vom Verein Stadtbild. Sie haben einen gemeinsamen Appell „Das Museumsschiff muss bleiben“ verfasst. Es sei „ein Prachtexemplar und in seiner Art einmalig“, man müsse es „den Menschen weiter zugänglich machen. „Der Raddampfer gehört zum Stadtbild. Ein Rundgang ist eine Reise durch die Geschichte der Binnenschifffahrt und mit dem Museumsufer ein Zeugnis für die Bedeutung der Wasserwege für die Stadt“, so der Appell der Vereine.