Mannheim

Zeichnung des „MM“ im Gefängnis

Archivartikel

Für das Jahrbuch des Vereins, den Internetauftritt der Firma oder als Aushang: Täglich erreichen den „Mannheimer Morgen“ Anfragen, ob erschienene Artikel oder Pressefotos veröffentlicht werden dürfen. Eine nicht immer einfache Entscheidung – auch weil das Urheberrecht zu beachten ist. Dass ein Leser aber statt nach einem Text oder Foto nach einer Illustration fragt, ist eine Seltenheit. Und dass er sie dann auch noch mit ins Gefängnis nehmen möchte, erst Recht.

Dieter Fischer, früherer akademische Direktor am Lehrstuhl für Sonderpädagogik an der Universität Würzburg, genießt heute seinen Ruhestand in Franken. Doch nur zu Hause sitzen, ist nichts für den umtriebigen Senior: Seit einem Jahr unterrichtet er in einer Jugendvollzugsanstalt Jugendliche. „Ich wollte mich einbringen und meine Erfahrungen im Umgang mit schwierigen Menschen nutzen“, berichtet er. Mathe oder Englisch paukt Fischer mit seinen vier Schülern aber nicht. „Ich möchte ihnen etwas von der Welt vermitteln, deswegen reden wir genauso über Granatäpfel und Kiwis wie über den richtigen Umgang mit Beleidigungen“, erzählt der Sonderpädagoge.

Seine nächste Arbeit – und der Grund, weshalb er sich an den „MM“ wandte – ist ein Themenschwerpunkt zum Thema „Wohnen“. Dazu hatte „MM“-Grafikerin Melanie Grün eine Titelseitengrafik gezeichnet, in der die Buchstaben des Wortes „Wohnen“ selbst in einer verspielt eingerichteten Wohnung leben. Das Bild habe ihm gut gefallen, „vor allem, weil es so humorvoll ist. Und Humor kann Aggressionen bei den Jugendlichen lösen.“ Inzwischen ist die Grafik auf dem Arbeitsblatt platziert und wartet auf den Einsatz – diese Zweitverwertung hätte wohl niemand im Medienhaus vermutet. 

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