Mannheim

Zeit für Veränderung

Archivartikel

Viel ist in Bewegung, in unserer Welt und in meiner Kirche: Klimawandel – Strukturreformen, Fridays for future – synodale Prozesse, Greta Thunberg – Maria 2.0. Es gibt Menschen, die wollen sich nicht mehr abfinden mit dem, was ist und was für Ewigkeiten festgemeißelt schien. Sie haben neu entdeckt, dass Leben Veränderung heißt, und dass die Zeit, etwas zu tun, immer jetzt ist. Wir haben uns zulange vorgemacht, es wäre 5 vor 12 und wir hätten noch Zeit, überlebenswichtige Dinge in der Welt und in der Kirche zu regeln. Aber wir haben die Dinge nicht angepackt. Inzwischen ist es 5 nach 12 und wir können das, was vergangen ist, nicht rückgängig machen: die Emissionen, die klimatische Veränderungen in den nächsten Jahren beschleunigen werden, sind in der Luft. Die Vergangenheit der Kirche und ihr starres Festhalten an Lösungen von gestern führen zu einer schwindenden Wahrnehmbarkeit der Botschaft Jesu nach innen und außen.

Es ist 5 nach 12. Alles vorbei? Können wir fatalistisch einfach die Hände in den Schoß legen und abwarten?

Ich denke nein. Es ist 5 nach 12 und wir haben die Chance, aus der Vergangenheit zu lernen, sie hinter uns zu lassen und jetzt vieles richtig zu machen. Nach vorne zu schauen und den Hoffnungsbildern der Bibel zu vertrauen, kann uns die Kraft geben, das, was vor uns liegt, besser zu gestalten. In der Offenbarung des Johannes heißt es: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen.“ (Offb 21,1)

Jeder ist angesprochen

Es ist 5 nach 12 und die Zeit für Veränderung ist jetzt, damit Himmel und Erde ein Lebensraum für den Menschen bleiben. Jesus sagt, macht euch keine Sorgen, Gott weiß, was ihr braucht. „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen, dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,33) Wir dürfen staunen, was möglich wird, wenn wir diesem Wort aus dem Matthäus-Evangelium vertrauen, und versuchen, in immer mehr Einfachheit zu leben, und seiner Gerechtigkeit im Wissen des aufeinander Angewiesenseins in einer globalisierten Welt immer mehr Raum geben.

Wir müssen immer mehr erkennen, dass das göttliche Licht schöpfungstheologisch gedacht in jedem von uns leuchtet und jeder als Träger dieses Lichtes ein Teil der notwendigen Veränderung sein kann. Dafür braucht es jetzt tatkräftiges Handeln und liebende Geduld bis zum Äußersten. Denn nur auf diese Weise wird ein Miteinander für die kommenden Herausforderungen der Menschheit möglich.

Zeit des Bangens vergangen

Und was haben all diese Gedanken mit dem bevorstehenden Erntedank zu tun? Bei der Ernte ist es immer 5 nach 12. Alles, was im Vorfeld der Ernte zu tun war, ist getan. Eine Zeit der Ungewissheit, des Bangens und Hoffens ist endlich vergangen. Die Ernte fällt entsprechend der Vorarbeit aus. Trotzdem muss der Boden neu bestellt werden. Es ist Zeit für den Dank und Zeit für das Handeln, um mit nachhaltiger Erfahrung und liebender Geduld, die Veränderungen zu bewirken, die das bestmögliche Ergebnis für die vor mir liegende Zeit und die vorhandenen Ressourcen verspricht. Ich will der Kraft des Lebens in der Veränderung und dem göttlichen Licht der Liebe in uns allen vertrauen.

Wolf-Dieter Wöffler, Pastoralreferent Weinheim-Hirschberg

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