Mannheim

Reiss-Engelhorn-Museen Zweimonatige Schließung aus Kostengründen / Sonntag Eröffnung einer Fotoausstellung

Zeughaus-Pause ist beendet

Archivartikel

Zwei Monate war es geschlossen, erstmals seit der Generalsanierung: das Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen. Ab heute ist der Barockbau aber wieder geöffnet – und am Sonntag, Mitte September sowie am ersten Advent folgen dann gleich drei neue Ausstellungen, die während der Sommerpause vorbereitet wurden.

Rote Zahlen waren zunächst schuld: Um Gelder – besonders für externe Aufsichten – zu sparen, führten die Reiss-Engelhorn im Juli und August eine Sommerpause ein. Nicht nur das Zeughaus blieb ganz geschlossen, auch im Museum Weltkulturen D 5 beide Obergeschosse mit den Dauerausstellungen – im Erdgeschoss lief indes die Sonderschau „Einfach tierisch“ weiter.

Böden erneuert

„Wir waren nicht glücklich darüber, dass das notwendig wurde“, so Christoph Lind, der Direktor des Museums Zeughaus: „Aber wir haben dann aus der Not eine Tugend gemacht und die Zeit gut genutzt“, erklärt er. So hätten er und sein Team „sobald die Türen zugegangen sind, die Ärmel hochgekrempelt und viele Dinge angegangen“.

Dazu zählte in erster Linie der Boden im Erdgeschoss. „Stark strapaziert – aber da kann man nicht im laufenden Betrieb ’ran“, erläutert Lind. Also habe man sich den Boden intensiv vorgenommen. „Wir haben nicht einfach nur das Parkett abgeschliffen, sondern mal eine andere Methode probiert, bei der die Schäden wie radiert werden“, so Lind. Hinzu kamen eine Vollwartung des Aufzugs, eine Komplettreinigung des Glasgangs, Arbeiten an Fenstern, Vitrinen, Elektrotechnik und an den Treppenstufen, „denn die sind schon seh glatt geworden“, so Lind.

Weil das alles viel Staub und Dreck bedeutete, wurden zuvor aber viele Kunstschätze ausgelagert – etwa die sieben großen Gemälde aus der Ära von Kurfürst Carl Theodor, die sonst im Florian-Waldeck-Saal hängen. Nun sind sie zurück.

Zugleich wurden in den Obergeschossen neue Ausstellungen vorbereitet. Bereits ab Sonntag – Eröffnung um 11.15 Uhr – entführt Claude W. Sui, Leiter des Forums Internationale Photographie, die Besucher zu einer Reise nach Südamerika auf den Spuren von Wilhelm Reiß (1838-1908). Der Mannheimer Vulkanologe brach vor 150 Jahren zu einer abenteuerlichen Expedition auf. Bei seiner Rückkehr hatte er ein großes Konvolut aus der Pionierzeit der lateinamerikanischen Fotografie dabei. Eine Auswahl seiner eindrucksvollen Aufnahmen ist jetzt erstmals in der Ausstellung Sonderausstellung „Abenteuer Anden und Amazonas“ dort zu bewundern, wo bis April die „Reformation“-Schau lief.

Zugleich liefen Anlieferung und Aufbau für die große Sonderausstellung Sonderausstellung „Mumien – Geheimnisse des Lebens“, die Direktor Wilfried Rosendahl mit seinem Team vorbereitet. Die Besucher erwarten ab 16. September mehr als 50 faszinierende Mumienfunde aus aller Welt – von den Dinosauriern über alte Hochkulturen bis in die Gegenwart, ergänzt um neueste Forschungsergebnisse.

Noch bis zum ersten Advent warten muss man dagegen auf das, was Andreas Krock und seine Kollegen im zweiten Obergeschoss neu arrangieren: Finanziell vom Fördererkreis unterstützt, ist er noch dabei, die „Sakrale Schatzkammer“ neu zu gestaltet als auch eine völlig neue Dauerausstellung „Belle époque – Zweites Goldenes Zeitalter Mannheims“ schafft. Es ist die Zeit an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Das damals von Carl Benz erfundene Auto, das darf schon verraten werden, wird ein Blickfang sein – aber nicht der einzige.

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