Mannheim

Studie Forscher rät zu mehr Interaktion mit Grünflächen

ZI: Natur macht froh

Archivartikel

Laut einer Studie des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) verbessern Grünflächen unmittelbar das Wohlbefinden von Menschen im Alltag. Das gab das ZI in einer Mitteilung bekannt.

„Wir haben damit gezeigt, dass Interaktionen mit Grünflächen vor allem die Verarbeitung von Stress und negativen Gefühlen fördern“, sagte Andreas Meyer-Lindenberg (Bild), Vorstandsvorsitzender des ZI und Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, im Gespräch mit dem „MM“. Schon allein kurze Interaktionen würden genügen. „Man muss nicht täglich in einen Park gehen, um das Wohlbefinden zu steigern“, so Meyer-Lindenberg. Die Begegnung mit einem Baum reiche aus.

Evolutionäre Ursache vermutet

„Die Daten zeigen auch“, so der ZI-Chef, „dass der positive Effekt schon beim Sehen einer Grünfläche eintritt – also von bereits rund 100 Meter Entfernung.“ Meyer-Lindenberg ist der Auffassung, dass der Effekt einen evolutionären Ursprung hat: „Ich kann es mit der Studie nicht beweisen, aber ich glaube, das Gehirn findet eine natürliche Umgebung besser als eine künstliche.“

Am Mannheimer Institut wird noch weiter geforscht. Meyer-Lindenberg und sein Team untersuchen zur Zeit den Effekt von Grün – und zwar anhand von virtueller Realität. „Das ist realistisch genug“, sagte er. Schon beim Sehen von virtuellen Grünflächen könne man einen positiven Effekt feststellen. Klassifizierbar sei das, indem man Stress an der Leitfähigkeit der Haut oder am Herzschlag misst. So könne man auch in Zukunft städtebaulich reagieren, indem man gezielt Bäume pflanzt, um den gewünschten Effekt zu erzielen. „Das Spannende an der Studie ist ja, dass wir feststellen konnten, dass der positive Effekt stärker bei Menschen auftritt, die negative Gefühle schlechter verarbeiten können“, erklärte Meyer-Lindenberg. „Das sind statistisch gesehen Menschen, die in Innenstädten leben.“ Im Umkehrschluss bedeute dies, dass genau dort Bäume gepflanzt oder Grünflächen angelegt werden sollten.

Handy-Programm entwickelt

Auch die sogenannte vertikale Begrünung ist Teil der momentanen Forschung des ZI. Dabei handelt es sich um Hochhäuser, auf deren Fassaden bereits Grünflächen angelegt sind. „Wir untersuchen dabei auch, wie sich begrünte Häuser auf die Psyche der Menschen auswirken.“ Vertikale Begrünung wird schon in Städten wie Mailand oder Paris umgesetzt. Bisher hatte dies jedoch den Hintergrund, die Luftqualität in Städten zu verbessern.

Für die aktuell veröffentlichte Studie haben die Teilnehmer mit Hilfe von Smartphones neunmal pro Tag ihre Stimmung bewertet. Die Teilnehmer gingen in dieser Zeit wie gewohnt ihrem Alltag nach. Die zurückgelegten Wege wurden dabei nachvollzogen und Merkmale der Wegstrecken, vor allem einsehbare Grünflächen, ermittelt. Diese Informationen wurden mit der aufgezeichneten Stimmung verknüpft. Zusätzlich wurden die Teilnehmer einer funktionellen Magnetresonanztomographie unterzogen. Diese Methode erlaubt es, bestimmte Hirnfunktionen darzustellen. Das Untersuchungsareal zog sich laut Meyer-Lindenberg von der Pfalz bis zum Odenwald. „Aber mit dem Schwerpunkt Mannheim.“ Auch das Karlsruher Institut für Technologie war an der Studie beteiligt.

Zusätzlich hat das ZI mit dem Heidelberg Institute for Geoinformation Technology ein Handy-Programm entwickelt, das den Nutzer zu einem Ziel navigiert und dabei Grünflächen berücksichtigt. (Bild: ZI)

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