Mannheim

Stalking Weißer Ring bietet psychologische und juristische Beratung an / Polizeimaßnahmen reichen vom Gespräch mit dem Täter bis zur Deeskalationshaft

Ziel: Die Opfer aus ihrer Ohnmacht herausholen

Archivartikel

Der brutale Mord an der 34-jährigen Tülay (Name von der Redaktion geändert) löst nicht nur Betroffenheit aus, sondern wirft auch Fragen auf: Wann und bei welchen Anzeichen sollte ein Stalking-Opfer die Polizei aufsuchen? Was raten Experten im Umgang mit Menschen, die ihnen nachstellen? Und was für Möglichkeiten haben die Gesetzeshüter, um Betroffene zu schützen?

Stalking – auf Deutsch etwa Nachstellen – ist laut Gesetzgeber und Paragraf 238 strafbar. „Es liegt vor, wenn der Täter sein Opfer absichtlich so beharrlich verfolgt und belästigt, dass es seine Lebensgestaltung schwer beeinträchtigt“, erklärt Tanja Kramper, Opferschutzkoordinatorin des Polizeipräsidiums Mannheim. Oft leiden die Betroffenen so stark unter den Nachstellungen, dass sie schlecht schlafen, Magenschmerzen haben oder Ängste entwickeln. Für die Kriminalhauptkommissarin ein Alarmzeichen: „Viele fühlen sich ausgeliefert und ohnmächtig.“ Aber so weit dürfe es einfach nicht kommen. Deshalb ihr Appell. „Handeln, beim Weißen Ring oder einer anderen Beratungsstelle anrufen“, rät sie, „oder gleich zur Polizei gehen. Denn dass muss niemand aushalten.“

Und was kann die Kripo dann unternehmen? „Eine ganze Menge“, versichert die Beamtin. Von wegen die Polizei könne erst einschreiten, wenn etwas passiert sei. Vielmehr gebe es das Mittel der Gefährderansprache. „Dabei bestellen wir den Stalker ein oder suchen ihn auf, sprechen mit ihm und zeigen ihm die strafrechtlichen Folgen seines Handelns auf.“ Bei einem Annäherungsverbot des Amtsgerichts darf er beispielsweise weder telefonisch noch persönlich Kontakt zu seinem Opfer aufnehmen. Verstößt er dagegen, drohen ihm Geldstrafen, „bis hin zur Deeskalationshaft“, betont die Kripohauptkommissarin. Die gute Nachricht: „Eine Untersuchung des ZI Mannheim hat ergeben, dass ein Großteil der Täter schon nach der Gefährderansprache mit den Nachstellungen aufhört.“

Zudem rät auch Thomas Habermehl vom Weißen Ring, unbedingt ein sogenanntes Stalker-Tagebuch zu führen: „Ruhig auch mit Fotos. Das entlastet und hilft später bei eventuellen Polizeiermittlungen.“ Der Weiße Ring und die Polizei stehen mit etlichen Einrichtungen, wie dem ZI oder dem Frauen- und Mädchen-Notruf, in enger Verbindung. Und alle haben ein gemeinsames Ziel, wie Kramper präzisiert: „Wir wollen die Opfer aus ihrer Ohnmacht herausholen.“ 

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